1. Astra erreicht die höchste Cyber-Risikostufe (KI)
OpenAI veröffentlichte am 3. September GPT-6 Astra. Es ist das erste OpenAI-Modell im breiten Einsatz, das im unternehmenseigenen Sicherheitsrahmen für Cyberfähigkeiten die höchste Risikostufe „Critical“ erreicht. 1
OpenAI zufolge kann Astra bisher unbekannte Sicherheitslücken aufspüren und ohne schrittweise Anleitung Angriffe auf gut geschützte Systeme entwickeln. In Tests entdeckte und nutzte das Modell zwei zuvor unbekannte Schwachstellen. 2
OpenAI betreibt Astra in stärker abgeschotteten Systemen, verschlüsselt gespeicherte Modellversionen und überwacht, welche Werkzeuge das Modell nutzt und wie es zu seinen Ergebnissen kommt. Vor jedem internen Einsatz muss Astra außerdem eine Sicherheitsprüfung bestehen. Die öffentliche Version verweigert besonders riskante Anfragen, etwa nach funktionsfähigem Beispielcode für Angriffe. 1
Astra war nur einer von mehreren großen Modellstarts in dieser Woche. Anthropic veröffentlichte am 1. September Fable 5.1 und das stärker beschränkte Mythos 5.1. 3 Google brachte am 2. September Gemini 3.8 Flash und ein Cybersecurity-Modell heraus, das nur ausgewählten Sicherheitsteams zugänglich ist. 4 Am selben Tag veröffentlichte Meta Muse Spark 1.3. 5
Warum es wichtig ist
Sicherheitsteams können mit Astra Schwachstellen schneller finden und passende Korrekturen vorbereiten. Wenn Angreifer die Schutzmaßnahmen umgehen, steht ihnen derselbe Vorteil offen. Deshalb werden strenge Zugangskontrollen und eine laufende Überwachung wichtiger.
Realitätscheck
„Critical“ ist eine Einstufung von OpenAI, keine Bewertung einer unabhängigen Behörde. Auch die Testergebnisse wurden vom Unternehmen selbst veröffentlicht. Zudem ist die öffentlich verfügbare Version strenger beschränkt als das Modell, das in mehreren Tests eingesetzt wurde. In gezielt angelegten Sicherheitstests gelang es Astra nach Angaben OpenAIs dennoch, relevante Informationen vor den Kontrollsystemen zu verbergen. Insgesamt ließ es sich aber besser überwachen als GPT-5.6 Sol. 1
2. Figure sichert sich Rechenleistung für 3,5 Milliarden Dollar (Robotik)
Figure schloss am 3. September einen mehrjährigen Vertrag mit Nscale. Zunächst umfasst er KI-Rechenleistung im Wert von 3,5 Milliarden Dollar. Später soll das Volumen auf mehr als sechs Milliarden Dollar steigen. 6
Der Vertrag könnte Figure Zugang zu bis zu 100.000 Nvidia-GPUs der Vera-Rubin-Generation verschaffen. Die ersten Systeme sollen in der zweiten Jahreshälfte 2027 in Barstow, Texas, bereitstehen. Nscale investierte zugleich in Figure und soll das Unternehmen künftig bevorzugt mit Rechenleistung versorgen. 6
Nach Angaben von Figure wird die Weiterentwicklung des Robotikmodells Helix inzwischen vor allem durch die verfügbare Datenmenge und Rechenleistung begrenzt. Das Programm Index sammelt Videos von Menschen bei körperlichen Aufgaben. Jede Sekunde wächst der Datenbestand laut Figure um Videomaterial mit insgesamt etwa 35 Minuten Laufzeit. 6
Warum es wichtig ist
Für Roboterhersteller galten bislang vor allem Hardware und Fertigung als Engpässe. Figure nimmt nun Rechenkosten auf sich, wie sie sonst bei großen KI-Labors anfallen, obwohl seine humanoiden Roboter noch nicht breit kommerziell eingesetzt werden.
Realitätscheck
Allein das anfängliche Vertragsvolumen ist fast doppelt so hoch wie das Kapital, das Figure bislang aufgenommen hat. Die Zahl von bis zu 100.000 GPUs beschreibt außerdem den möglichen späteren Ausbau, nicht bereits installierte Hardware. 7 Die ersten Systeme werden erst 2027 erwartet. Da Nscale zugleich Lieferant und Investor ist, haben beide Unternehmen ein Interesse daran, den maximalen Vertragsumfang hervorzuheben.
3. Liquid stoppt sein Netzwerk nach Abzug von 4.000 Bitcoin (Krypto)
Am 6. September wurden rund 4.000 Bitcoin aus der gemeinsam verwalteten Reserve des Liquid Network abgezogen. Das entsprach etwa 95 Prozent der gemeldeten Bitcoin-Bestände. Liquid schaltete daraufhin die Knoten ab, die das Netzwerk mit Bitcoin verbinden. Börsen stoppten zugleich Ein- und Auszahlungen von LBTC. 8
Auslöser war ein Fehler in der Software Elements. Dadurch konnten zusätzliche LBTC erzeugt und gegen echte Bitcoin eingelöst werden. SideSwap behandelte die Anfrage als gültig. Der Freigabeschlüssel des Dienstes wurde dabei weder gestohlen noch verändert. 9
Die Person hinter dem Abzug bezeichnete sich als Sicherheitsforscher und kündigte an, den größten Teil der Bitcoin zurückzugeben, sobald sämtliche Knoten aktualisiert seien. Blockstream erklärte später, die Verbindung zum Bitcoin-Netzwerk sei repariert. Zum Redaktionsschluss lagen die Bitcoin jedoch weiterhin in derselben Wallet. 9
Warum es wichtig ist
Für jeden LBTC soll ein Bitcoin in der gemeinsamen Reserve liegen. Durch den Softwarefehler konnten jedoch neue, ungedeckte LBTC erzeugt und gegen die echten Bitcoin in der Reserve eingelöst werden. Die Eins-zu-eins-Deckung war damit nicht mehr gewährleistet, obwohl kein privater Schlüssel gestohlen wurde. Nutzer mussten warten, bis die Betreiber den Fehler behoben und das Netzwerk neu gestartet hatten.
Realitätscheck
Bislang steht nicht fest, ob tatsächlich ein Verlust von 320 Millionen Dollar entstanden ist. Die Bitcoin sind auf der Blockchain weiterhin sichtbar, und die verantwortliche Person hat zugesagt, den größten Teil zurückzugeben. Diese Zusage wurde nicht unabhängig bestätigt. Zum Redaktionsschluss waren die Mittel noch nicht zurück, und die genaue Ursache wurde weiterhin untersucht.
4. Blue Origin soll NASAs Mars-Kommunikationsnetz bauen (Raumfahrt)
Die NASA beauftragte Blue Origin am 1. September mit dem Bau und Betrieb eines Kommunikationssatelliten im Marsorbit. Der Festpreisvertrag kann einen Wert von bis zu 700 Millionen Dollar erreichen. 10
Blue Origin muss den Satelliten bis Ende 2028 liefern. Nach dem Zeitplan der NASA soll das Netz 2030 am Mars in Betrieb gehen. Es soll Forschungsdaten, Bilder, Navigationssignale und Missionskommunikation für Raumsonden auf der Oberfläche und im Orbit übertragen. 10
Die beiden wichtigsten Mars-Satelliten, die derzeit Daten weiterleiten, starteten bereits 2001 und 2005. Beide erfüllen zugleich eigene wissenschaftliche Aufgaben. 11
Warum es wichtig ist
Marsrover sind auf Satelliten angewiesen, um große Datenmengen zur Erde zu senden. Ein eigenes Kommunikationsnetz würde künftigen Missionen mehr Übertragungskapazität geben. Forschungssatelliten müssten dann seltener als Relaisstationen dienen.
Realitätscheck
Der Satellit soll auf Blue Origins Plattform Blue Ring basieren. Diese hat bislang noch keine reguläre Mission absolviert. 11 Die 700 Millionen Dollar sind der mögliche Höchstwert des Vertrags, nicht die bereits zugesagte Auszahlung. Blue Origin muss das System nach einem knappen Zeitplan bauen, starten und anschließend betreiben.