LOG 035 19. Okt. 2026 10 Min. Lesezeit

Unter der Haube

Tesla zeigte endlich den neuen Roadster und ließ ihn mit Technik von SpaceX abheben. Google senkte die Fehlerquote in einem aufwendigen Schritt des Quantencomputings um den Faktor 40. Anthropic setzte 16,8 Milliarden Dollar um und enttäuschte damit trotzdem einige mögliche IPO-Investoren. Eine Gentherapie verlangsamte in einer kleinen Studie den körperlichen Abbau bei alten Mäusen.

In diesem Log

01 / RAUMFAHRT / MOBILITÄT

Tesla lässt den Roadster abheben

Tesla stellte am 15. Oktober den neuen Roadster auf dem Testgelände von SpaceX in Texas vor. Ein Prototyp fuhr mithilfe von Druckluftdüsen und Ventilatoren unter dem Fahrzeug kopfüber, hob ab, drehte sich in der Luft und landete wieder. 1

Für die Düsen übernimmt Tesla Technik von SpaceX. Die Ventilatoren saugen das Auto an die Fahrbahn und sorgen so für mehr Haftung. Laut Tesla beschleunigt der Roadster in 0,8 Sekunden auf 60 Meilen pro Stunde und erreicht mehr als 370 Kilometer pro Stunde. An einem Serienfahrzeug wurden diese Werte noch nicht getestet. 2

Das erste Konzept erschien 2017 und war damals für 2020 angekündigt. Nun soll die Produktion 2028 beginnen. Einen endgültigen Preis, die Reichweite und die mögliche Flugdauer der stärksten Version hat Tesla nicht genannt. 1

Warum es wichtig ist

Der Roadster verbindet Teslas Elektroauto-Technik so deutlich wie kein Produkt zuvor mit Hardware von SpaceX. Das Ventilatorensystem und die aktive Fahrzeugsteuerung könnten im Alltag nützlicher sein als der kurze Flug, besonders beim Beschleunigen und in Kurven.

Realitätscheck

Zu sehen war ein sorgfältig vorbereiteter Prototyp, kein Serienfahrzeug. Die fliegende Version ist nicht für öffentliche Straßen zugelassen, eine Reservierung garantiert keine Auslieferung und Tesla hat bereits mehrere Roadster-Termine verpasst.

02 / QUANTENCOMPUTING

Google verringert einen Quanten-Engpass um den Faktor 40

Google zeigte ein neues Verfahren, um einen der speziellen Zustände vorzubereiten, die Quantencomputer für besonders schwierige Berechnungen benötigen. Auf dem Willow-Prozessor sank die Fehlerquote dabei um etwa den Faktor 40; die logische Genauigkeit lag bei 99,99 Prozent. 3

Diese vorbereiteten Zustände werden bei einer Berechnung verbraucht. Ein großer Quantencomputer müsste sie deshalb laufend neu erzeugen. Schätzungen zufolge könnte allein dieser Schritt bis zu 95 Prozent seiner gesamten Leistung beanspruchen. 3

Googles Verfahren beginnt mit einem noch ungenauen Zustand. Mehrere Prüfungen sortieren fehlerhafte Versuche aus. Der übrig gebliebene Zustand kann anschließend in einen größeren Bereich des Prozessors übertragen und dort für ein Programm genutzt werden. 3

Warum es wichtig ist

Ein brauchbarer Quantencomputer kann nicht fast seine gesamte Hardware dafür einsetzen, nur eine Voraussetzung für die eigentliche Berechnung herzustellen. Sinkt dieser Aufwand, könnten künftige Maschinen kleiner und günstiger werden.

Realitätscheck

Verbessert wurde ein wichtiger Einzelschritt, nicht der gesamte Quantencomputer. Google muss das Verfahren noch in deutlich größeren Systemen wiederholen. Außerdem stammen die genannten Werte von dem Team, das die Technik entwickelt hat.

03 / KI / MÄRKTE

Anthropic wächst rasant und enttäuscht trotzdem

Anthropic teilte möglichen Investoren mit, dass der Umsatz im dritten Quartal 16,8 Milliarden Dollar erreichte. Das waren 45 Prozent mehr als im Vorquartal. Nach eigener bereinigter Rechnung arbeitete das Unternehmen profitabel. 4

Die Zahlen zeigen, dass ein führendes KI-Labor schnell wachsen und zugleich mehr Geld einnehmen als ausgeben kann. Gleichzeitig plant Anthropic für das kommende Jahrzehnt mehr als 500 Milliarden Dollar für Rechenleistung und Infrastruktur ein. 5

Einige Investoren diskutierten für den geplanten Börsengang im November dennoch nur noch über eine Bewertung von rund 1,5 Billionen Dollar. Zuvor waren etwa zwei Billionen Dollar erwartet worden. Der Umsatz sank nicht, doch das Wachstum verlangsamte sich, nachdem er sich im zweiten Quartal mehr als verdoppelt hatte. 4

Warum es wichtig ist

Anthropics Börsengang wird zeigen, wie viel Anleger für eines der führenden KI-Unternehmen zu zahlen bereit sind. Die Reaktion macht deutlich, wie hoch die Erwartungen inzwischen sind: Selbst 45 Prozent Wachstum in drei Monaten können als Enttäuschung gelten.

Realitätscheck

Die Zahlen wurden Investoren in einem nicht öffentlichen Termin präsentiert und sind nicht geprüft. Die 1,5 Billionen Dollar waren eine Diskussion unter Investoren und kein von Anthropic festgelegter Preis. Außerdem berücksichtigt der bereinigte Gewinn nicht sämtliche Kosten der Modellentwicklung.

04 / LANGLEBIGKEITSFORSCHUNG

Ein Gen hält alte Mäuse länger fit

Forscher entwickelten ein Verfahren, das das Alter einer Hautzelle anhand ihrer aktiven Gene schätzt. Anschließend suchten sie nach Genen, die alte menschliche Zellen wieder jünger erscheinen lassen, ohne dass diese ihre normale Funktion als Hautzellen verlieren. 6

Das stärkste Ergebnis lieferte SRSF1. Dieses Gen ist daran beteiligt, die Bauanleitungen vorzubereiten, nach denen Zellen Proteine herstellen. Wurde es aktiviert, gingen in alten menschlichen Zellen im Labor mehrere Anzeichen für Alterung, Zellstress und Entzündungen zurück. 6

Bei alten Mäusen verlangsamte die experimentelle Gentherapie den körperlichen Abbau um 44 Prozent. Die mittlere Lebensdauer stieg um 14 Prozent. Jede Gruppe bestand allerdings nur aus neun oder zehn Mäusen. 6

Warum es wichtig ist

Viele Verjüngungsexperimente setzen Zellen so weit zurück, dass sie ihre ursprüngliche Aufgabe verlieren können. In dieser Studie verbesserte ein einzelner Faktor mehrere Altersmerkmale, während die Zellen weiterhin Hautzellen blieben.

Realitätscheck

Das sind frühe Versuche an Zellen und eine sehr kleine Mäusestudie, keine Behandlung für Menschen. Mehrere Autoren sind an einem passenden Patentantrag beteiligt. Zwei von ihnen halten Anteile an einem Unternehmen, das Therapien gegen altersbedingte Krankheiten entwickelt.

5 Signale

Meta bringt seine leistungsfähigsten Modelle für KI-Agenten

Meta veröffentlichte Muse Wonder und Muse Wonder Full. Die Modelle sind für Programmieraufgaben und längere Arbeiten mit Dokumenten, Nachrichten und Kalendern gedacht. 7 Wonder ist über Metas API und Muse Code verfügbar. Die größere Version bleibt zahlenden Nutzern von Muse Code vorbehalten. Die Angaben zur Leistung stammen von Meta; ein ausführlicher Sicherheitsbericht steht noch aus.

China zeigt einen vier Meter großen Humanoiden

NeodraDynamics zeigte Neo1, einen vier Meter großen und 1,2 Tonnen schweren Humanoiden für körperlich schwere Industriearbeiten. 8 Nach Angaben des Unternehmens kann der Roboter mit beiden Armen eine Last von 500 Kilogramm bewegen. Diese Werte sind nicht unabhängig bestätigt. Die Vorführung auf einer Messe belegt zudem noch nicht, dass Neo1 im Alltag einer Fabrik, Mine oder eines Hafens bestehen kann.

Valve stellt die Produktion der Index ein

Valve produziert die Index nicht mehr. Das 2019 erschienene PC-Headset prägte über Jahre hochwertige VR-Systeme für Privatkunden. 9 Die restlichen Headsets und Controller werden günstiger verkauft. Bereits gekaufte Geräte sollen weiterhin von SteamVR unterstützt werden.

Ein Netzhautimplantat hilft einem Patienten, ein Wort zu lesen

Der erste Patient in einer Studie zur erblich bedingten Stargardt-Augenkrankheit erkannte laut Science Corporation in einer Reha-Sitzung einen Buchstaben und las in der nächsten ein Wort. 10 Ein winziger Chip in der Netzhaut empfängt Bilder von einer Kamerabrille und erzeugt in der Mitte des Sichtfelds einen kleinen schwarz-weißen Ausschnitt. Bisher geht es nur um einen Patienten. Wie gut das System in der gesamten Studie funktioniert, ist noch offen.

G20-Bericht warnt vor Risiken globaler Stablecoins

Der Finanzstabilitätsrat warnte die Finanzminister der G20, dass sich ein weltweites Stablecoin-Zahlungssystem über mehrere Unternehmen, Blockchains und Länder verteilen kann. 11 Verlieren Nutzer das Vertrauen, kann keine einzelne Aufsichtsbehörde die Folgen vollständig überblicken oder eindämmen. Der Bericht fordert deshalb bessere gemeinsame Daten und eine grenzüberschreitende Aufsicht, führt aber keine neuen Regeln ein.

Roter Faden

Der Roadster brachte ein Auto in die Luft. Die offenen Fragen beginnen nach der Landung des Prototyps: Preis, Reichweite, Zulassung und Produktion. Googles weniger auffälliges Ergebnis verbesserte einen Vorbereitungsschritt, der sonst einen Großteil eines künftigen Quantencomputers beanspruchen könnte.

Anthropic erzielte in einem Quartal 16,8 Milliarden Dollar Umsatz und blieb trotzdem hinter den Erwartungen einiger Investoren zurück. SRSF1 verbesserte Altersmerkmale, allerdings bei insgesamt nur 19 Mäusen. Jedes Ergebnis war real. Zwischen dem gezeigten Versuch und einem fertigen Produkt bleibt jedoch jeweils ein großer Abstand.

Der nächste Log erscheint nächste Woche.

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