LOG 024 3. Aug. 2026

Unter Verkaufsdruck

Leopold Aschenbrenners KI-Hedgefonds verkaufte nach hohen Verlusten sein gesamtes Portfolio börsennotierter Aktien. Nvidia erwog, OpenAI-Infrastruktur im Umfang mehrerer Hundert Milliarden Dollar mitzufinanzieren. Ein neues Bündnis für offene KI-Sicherheit startete ohne OpenAI, Anthropic und Google. Und ein fünf Jahre alter Fehler in Coldcard-Geräten gefährdete Tausende Bitcoin-Wallets.

In diesem Log

1. Aschenbrenner verkauft sein Aktienportfolio (Märkte)

Situational Awareness verkaufte sein gesamtes Portfolio börsennotierter Aktien am 30. Juli an Ken Griffins Citadel. Vorausgegangen waren hohe Verluste bei Aktien von KI-Infrastrukturanbietern. Kurz zuvor hatte der Fonds ein verwaltetes Vermögen von rund 20 Milliarden Dollar angegeben. 1

Nach dem Verkauf wurde das Vermögen auf etwa zehn Milliarden Dollar geschätzt. Frühere Berichte nannten für den Höchststand bis zu 45 Milliarden Dollar. Das war jedoch nicht die Größe des Fonds unmittelbar vor dem Verkauf. 2

In einem Schreiben an Anleger vom 24. Juli gab der Fonds für die Zeit bis Ende Juni eine Rendite von 439 Prozent an. Er bezeichnete den Kursrückgang als Kaufgelegenheit und bat seine Kunden um zusätzliches Kapital.

Der Fonds hatte stark in Speicherhersteller, Rechenzentrumsbetreiber und Energieunternehmen investiert. Mehrere dieser Aktien verloren im Juli über 30 Prozent. Fremdfinanzierte Positionen vergrößerten die Verluste. Seine privaten Beteiligungen, darunter ein großer Anteil an Anthropic, behielt Situational Awareness.

Warum es wichtig ist

Der Fonds setzte mit geliehenem Geld auf einen langfristigen Ausbau der KI-Infrastruktur. Die Unternehmen selbst scheiterten nicht. Der Fonds konnte eine mögliche Erholung ihrer Aktien wegen seiner Finanzierung jedoch nicht abwarten und musste verkaufen.

Realitätscheck

Die Rendite von 439 Prozent stammt aus einem ungeprüften Anlegerschreiben. Auch die Vermögensangaben sind Schätzungen aus verschiedenen Zeitpunkten und deshalb nicht direkt vergleichbar. Citadel kaufte das Portfolio, und die behaltenen privaten Beteiligungen könnten einen Teil der Verluste später ausgleichen.

2. Nvidia will seine Kunden mitfinanzieren (KI / Märkte)

Nvidia führte am 27. Juli Gespräche über Garantien von bis zu 250 Milliarden Dollar für ein OpenAI-Rechenzentrum in Ohio. Zusätzlich erwog der Konzern, Chipkäufe von OpenAI im Umfang von bis zu 350 Milliarden Dollar zu finanzieren. 3

Am selben Tag investierte Nvidia in Ilya Sutskevers Unternehmen Safe Superintelligence und sicherte ihm Zugang zu Vera-Rubin-Systemen. Die Partnerschaft soll die verfügbare Rechenleistung von SSI ungefähr verzehnfachen. 4

Zuvor hatte Nvidia mit der südkoreanischen SK Group eine Partnerschaft im Umfang von mehr als 500 Milliarden Dollar angekündigt. Geplant sind ein KI-Rechenzentrum mit zwei Gigawatt Leistung und eine langfristige Zusammenarbeit bei Speicherchips. Bislang liegen dafür jedoch nur Absichtserklärungen vor. 5

Nvidia verkauft die Chips, investiert in die Käufer und könnte zugleich deren Rechenzentren finanzieren. Dadurch lässt sich schwerer beurteilen, wie viel Nachfrage unabhängig entsteht und wie viel der Konzern selbst ermöglicht.

Warum es wichtig ist

Nvidia entwickelt sich vom Lieferanten zum Finanzier seiner Kunden. Haben KI-Unternehmen Schwierigkeiten, das nötige Kapital selbst aufzubringen, könnte Nvidias eigene Bilanz einen wachsenden Teil des Infrastrukturausbaus tragen.

Realitätscheck

Die Vereinbarungen mit OpenAI sind erst Gespräche, keine abgeschlossenen Verträge. Auch der SK-Plan ist vorläufig. Die Finanzierung von Kunden durch Lieferanten ist in kapitalintensiven Branchen üblich. Sie kann jedoch künftige Nachfrage vorziehen und den heutigen Markt stärker erscheinen lassen, als er ohne diese Hilfe wäre.

3. Streit über offene und geschlossene KI (KI)

Nvidia und 36 weitere Organisationen gründeten am 27. Juli die Open Secure AI Alliance. Die Gruppe will offene Werkzeuge entwickeln, mit denen sich Schwachstellen in KI-Systemen finden, gemeinsam untersuchen und beheben lassen. 6

Zu den Mitgliedern gehören unter anderem Microsoft, Hugging Face und die Linux Foundation. OpenAI, Anthropic und Google beteiligen sich nicht. 7

Als Begründung nannte das Bündnis ausdrücklich den Einbruch bei Hugging Face. Geschlossene Werkzeuge erschwerten dort die Untersuchung. Ein Modell mit offenen Gewichten konnte dagegen direkt in den eigenen Systemen von Hugging Face laufen und bei der Eindämmung helfen.

Die Trennung ist nicht eindeutig. Microsoft arbeitet eng mit Anbietern geschlossener Modelle zusammen und trat dem Bündnis trotzdem bei. OpenAI und Google unterstützten außerdem in einem separaten Schreiben offene Modellgewichte; Anthropic unterschrieb nicht. 8

Warum es wichtig ist

Die Debatte über offene Modelle betrifft nun direkt die Cybersicherheit. Offene Systeme lassen sich von Verteidigern selbst prüfen und betreiben. Geschlossene Systeme geben den Herstellern mehr Kontrolle über den Zugang. Der Vorfall bei Hugging Face zeigte, dass beide Ansätze blinde Flecken haben können.

Realitätscheck

Das Bündnis hat seine wichtigsten Werkzeuge noch nicht veröffentlicht. Wer nicht Mitglied ist, muss die Ziele nicht ablehnen. Die meisten großen Technologiekonzerne nutzen sowohl offene als auch geschlossene Modelle. Entscheidend ist, ob daraus tatsächlich gemeinsam verwendete Sicherheitswerkzeuge entstehen.

4. 89 Millionen Dollar durch einen fünf Jahre alten Fehler (Krypto)

Ein Angreifer leerte am 30. Juli innerhalb von 41 Minuten 1.196 Bitcoin-Adressen. Zwei weitere mutmaßliche Angriffswellen folgten. Insgesamt könnten 1.367 Bitcoin im Wert von etwa 89 Millionen Dollar aus 4.585 Adressen gestohlen worden sein. Nach Angaben der Forscher hielt die Aktivität weiter an. 9

Die Wallets waren mit Coldcard-Hardware erstellt worden. Eine Änderung der Gerätesoftware vom März 2021 leitete die Erzeugung neuer Wiederherstellungsschlüssel an einen vorhersehbaren Zufallszahlengenerator in der Software weiter, statt den sicheren Hardwaregenerator zu verwenden. 10

Der Fehler senkte die geschätzte Sicherheit der Schlüssel bei Mk2- und Mk3-Geräten von vorgesehenen 128 auf etwa 40 Bit. Bei späteren Modellen waren es rund 72 Bit. Angreifer konnten mögliche Schlüssel offline erzeugen und mit öffentlichen Bitcoin-Adressen abgleichen.

Coinkite veröffentlichte Aktualisierungen für die betroffenen Modelle und forderte Nutzer auf, neue Wiederherstellungsschlüssel zu erzeugen und ihre Bestände zu übertragen. Ein Firmware-Update macht einen bereits mit dem fehlerhaften Verfahren erstellten Schlüssel nicht nachträglich sicher. 11

Warum es wichtig ist

Bei einer Hardware-Wallet müssen Nutzer darauf vertrauen, dass sie einen nicht erratbaren privaten Schlüssel erzeugt. Genau dieser erste Schritt war fehlerhaft und ließ sich im Alltag nicht überprüfen. Betroffene Wallets blieben dadurch mehr als fünf Jahre verwundbar.

Realitätscheck

Gebrochen wurde nicht die Kryptografie von Bitcoin, sondern die Firmware von Coldcard. Zusätzliche eigene Würfelwürfe oder eine starke, einmalige Passphrase boten einen weiteren Schutz. Die Schadenssumme von 89 Millionen Dollar beruht auf erkannten Transaktionsmustern. Nicht für jede Adresse ist bewiesen, dass derselbe Fehler die Ursache war.

Signale

Microsoft und Meta zeigen zwei Seiten des KI-Ausbaus

Microsoft meldete 90 Milliarden Dollar Quartalsumsatz. Der Jahresumsatz von Azure überschritt erstmals 100 Milliarden Dollar. 12 Meta steigerte den Umsatz um 28 Prozent, während die Kosten um 55 Prozent zunahmen. Reality Labs verlor weitere 4,62 Milliarden Dollar. Die geplanten Investitionen für 2026 erhöhte Meta auf 130 bis 145 Milliarden Dollar. 13

OpenAI zeigt Astra in Washington

Sam Altman stellte Abgeordneten und Mitarbeitern des Weißen Hauses das noch unveröffentlichte Modell Astra vor. Laut OpenAI half eine interne Version außerdem bei Fortschritten zu zehn offenen Problemen der Mathematik und theoretischen Informatik. 14

IBM meldet Vorteile bei drei Quantenexperimenten

IBM und Forschungspartner stellten drei Experimente vor, die bei bestimmten Aufgaben besser als die besten bekannten klassischen Verfahren abgeschnitten haben sollen. Zum Einsatz kamen Heron-R3-Systeme von IBM. Die Arbeiten waren jedoch noch nicht begutachtet, und bessere klassische Gegenverfahren könnten die Ergebnisse relativieren. 15

Rocket Lab erhält seinen größten Startauftrag

Rocket Lab erhielt von der US Space Force einen Auftrag über 266 Millionen Dollar für zwölf suborbitale Starts zur Erprobung von Raketenabwehr. Für sechs weitere Starts bestehen Optionen. Die meisten Missionen sollen von einem neuen Firmenstandort am Pacific Spaceport Complex in Alaska starten. 16

Roter Faden

Situational Awareness und Nvidia zeigen zwei Seiten derselben Finanzierungsfrage. Der Fonds bündelte mit geliehenem Geld hohe Wetten auf KI-Infrastruktur und musste nach Kursverlusten verkaufen. Nvidia könnte dagegen seine eigene Bilanz einsetzen, damit Kunden weiterhin Chips kaufen und Rechenzentren bauen können.

Die Sicherheitsgeschichten zeigen ein zweites Problem. Hugging Face konnte die beteiligten geschlossenen Werkzeuge nicht vollständig untersuchen. Coldcard-Nutzer konnten nicht erkennen, dass ihre Schlüssel aus schwachen Zufallszahlen entstanden. Beide Systeme galten als sicher, bis eine grundlegende Annahme überprüft wurde.

Der nächste Log erscheint nächste Woche.

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