1. Aschenbrenner verkauft sein Aktienportfolio (Märkte)
Situational Awareness verkaufte sein gesamtes Portfolio börsennotierter Aktien am 30. Juli an Ken Griffins Citadel. Vorausgegangen waren hohe Verluste bei Aktien von KI-Infrastrukturanbietern. Kurz zuvor hatte der Fonds ein verwaltetes Vermögen von rund 20 Milliarden Dollar angegeben. 1
Nach dem Verkauf wurde das Vermögen auf etwa zehn Milliarden Dollar geschätzt. Frühere Berichte nannten für den Höchststand bis zu 45 Milliarden Dollar. Das war jedoch nicht die Größe des Fonds unmittelbar vor dem Verkauf. 2
In einem Schreiben an Anleger vom 24. Juli gab der Fonds für die Zeit bis Ende Juni eine Rendite von 439 Prozent an. Er bezeichnete den Kursrückgang als Kaufgelegenheit und bat seine Kunden um zusätzliches Kapital.
Der Fonds hatte stark in Speicherhersteller, Rechenzentrumsbetreiber und Energieunternehmen investiert. Mehrere dieser Aktien verloren im Juli über 30 Prozent. Fremdfinanzierte Positionen vergrößerten die Verluste. Seine privaten Beteiligungen, darunter ein großer Anteil an Anthropic, behielt Situational Awareness.
Warum es wichtig ist
Der Fonds setzte mit geliehenem Geld auf einen langfristigen Ausbau der KI-Infrastruktur. Die Unternehmen selbst scheiterten nicht. Der Fonds konnte eine mögliche Erholung ihrer Aktien wegen seiner Finanzierung jedoch nicht abwarten und musste verkaufen.
Realitätscheck
Die Rendite von 439 Prozent stammt aus einem ungeprüften Anlegerschreiben. Auch die Vermögensangaben sind Schätzungen aus verschiedenen Zeitpunkten und deshalb nicht direkt vergleichbar. Citadel kaufte das Portfolio, und die behaltenen privaten Beteiligungen könnten einen Teil der Verluste später ausgleichen.
2. Nvidia will seine Kunden mitfinanzieren (KI / Märkte)
Nvidia führte am 27. Juli Gespräche über Garantien von bis zu 250 Milliarden Dollar für ein OpenAI-Rechenzentrum in Ohio. Zusätzlich erwog der Konzern, Chipkäufe von OpenAI im Umfang von bis zu 350 Milliarden Dollar zu finanzieren. 3
Am selben Tag investierte Nvidia in Ilya Sutskevers Unternehmen Safe Superintelligence und sicherte ihm Zugang zu Vera-Rubin-Systemen. Die Partnerschaft soll die verfügbare Rechenleistung von SSI ungefähr verzehnfachen. 4
Zuvor hatte Nvidia mit der südkoreanischen SK Group eine Partnerschaft im Umfang von mehr als 500 Milliarden Dollar angekündigt. Geplant sind ein KI-Rechenzentrum mit zwei Gigawatt Leistung und eine langfristige Zusammenarbeit bei Speicherchips. Bislang liegen dafür jedoch nur Absichtserklärungen vor. 5
Nvidia verkauft die Chips, investiert in die Käufer und könnte zugleich deren Rechenzentren finanzieren. Dadurch lässt sich schwerer beurteilen, wie viel Nachfrage unabhängig entsteht und wie viel der Konzern selbst ermöglicht.
Warum es wichtig ist
Nvidia entwickelt sich vom Lieferanten zum Finanzier seiner Kunden. Haben KI-Unternehmen Schwierigkeiten, das nötige Kapital selbst aufzubringen, könnte Nvidias eigene Bilanz einen wachsenden Teil des Infrastrukturausbaus tragen.
Realitätscheck
Die Vereinbarungen mit OpenAI sind erst Gespräche, keine abgeschlossenen Verträge. Auch der SK-Plan ist vorläufig. Die Finanzierung von Kunden durch Lieferanten ist in kapitalintensiven Branchen üblich. Sie kann jedoch künftige Nachfrage vorziehen und den heutigen Markt stärker erscheinen lassen, als er ohne diese Hilfe wäre.
3. Streit über offene und geschlossene KI (KI)
Nvidia und 36 weitere Organisationen gründeten am 27. Juli die Open Secure AI Alliance. Die Gruppe will offene Werkzeuge entwickeln, mit denen sich Schwachstellen in KI-Systemen finden, gemeinsam untersuchen und beheben lassen. 6
Zu den Mitgliedern gehören unter anderem Microsoft, Hugging Face und die Linux Foundation. OpenAI, Anthropic und Google beteiligen sich nicht. 7
Als Begründung nannte das Bündnis ausdrücklich den Einbruch bei Hugging Face. Geschlossene Werkzeuge erschwerten dort die Untersuchung. Ein Modell mit offenen Gewichten konnte dagegen direkt in den eigenen Systemen von Hugging Face laufen und bei der Eindämmung helfen.
Die Trennung ist nicht eindeutig. Microsoft arbeitet eng mit Anbietern geschlossener Modelle zusammen und trat dem Bündnis trotzdem bei. OpenAI und Google unterstützten außerdem in einem separaten Schreiben offene Modellgewichte; Anthropic unterschrieb nicht. 8
Warum es wichtig ist
Die Debatte über offene Modelle betrifft nun direkt die Cybersicherheit. Offene Systeme lassen sich von Verteidigern selbst prüfen und betreiben. Geschlossene Systeme geben den Herstellern mehr Kontrolle über den Zugang. Der Vorfall bei Hugging Face zeigte, dass beide Ansätze blinde Flecken haben können.
Realitätscheck
Das Bündnis hat seine wichtigsten Werkzeuge noch nicht veröffentlicht. Wer nicht Mitglied ist, muss die Ziele nicht ablehnen. Die meisten großen Technologiekonzerne nutzen sowohl offene als auch geschlossene Modelle. Entscheidend ist, ob daraus tatsächlich gemeinsam verwendete Sicherheitswerkzeuge entstehen.
4. 89 Millionen Dollar durch einen fünf Jahre alten Fehler (Krypto)
Ein Angreifer leerte am 30. Juli innerhalb von 41 Minuten 1.196 Bitcoin-Adressen. Zwei weitere mutmaßliche Angriffswellen folgten. Insgesamt könnten 1.367 Bitcoin im Wert von etwa 89 Millionen Dollar aus 4.585 Adressen gestohlen worden sein. Nach Angaben der Forscher hielt die Aktivität weiter an. 9
Die Wallets waren mit Coldcard-Hardware erstellt worden. Eine Änderung der Gerätesoftware vom März 2021 leitete die Erzeugung neuer Wiederherstellungsschlüssel an einen vorhersehbaren Zufallszahlengenerator in der Software weiter, statt den sicheren Hardwaregenerator zu verwenden. 10
Der Fehler senkte die geschätzte Sicherheit der Schlüssel bei Mk2- und Mk3-Geräten von vorgesehenen 128 auf etwa 40 Bit. Bei späteren Modellen waren es rund 72 Bit. Angreifer konnten mögliche Schlüssel offline erzeugen und mit öffentlichen Bitcoin-Adressen abgleichen.
Coinkite veröffentlichte Aktualisierungen für die betroffenen Modelle und forderte Nutzer auf, neue Wiederherstellungsschlüssel zu erzeugen und ihre Bestände zu übertragen. Ein Firmware-Update macht einen bereits mit dem fehlerhaften Verfahren erstellten Schlüssel nicht nachträglich sicher. 11
Warum es wichtig ist
Bei einer Hardware-Wallet müssen Nutzer darauf vertrauen, dass sie einen nicht erratbaren privaten Schlüssel erzeugt. Genau dieser erste Schritt war fehlerhaft und ließ sich im Alltag nicht überprüfen. Betroffene Wallets blieben dadurch mehr als fünf Jahre verwundbar.
Realitätscheck
Gebrochen wurde nicht die Kryptografie von Bitcoin, sondern die Firmware von Coldcard. Zusätzliche eigene Würfelwürfe oder eine starke, einmalige Passphrase boten einen weiteren Schutz. Die Schadenssumme von 89 Millionen Dollar beruht auf erkannten Transaktionsmustern. Nicht für jede Adresse ist bewiesen, dass derselbe Fehler die Ursache war.