1. Claude hilft beim Bau der nächsten Claude-Versionen (KI)
Anthropic veröffentlichte einen Bericht, dem zufolge Claude im Mai mehr als 80 Prozent des Codes schrieb, der in die eigenen Produktionssysteme übernommen wurde. Vor dem Start der Testphase von Claude Code im Februar 2025 lag der Anteil im niedrigen einstelligen Bereich. 1
Ein Anthropic-Entwickler übernimmt heute pro Quartal im Durchschnitt etwa achtmal so viel Code wie in den Jahren 2021 bis 2025. Das bedeutet nicht, dass KI die Beschäftigten ersetzt. Es zeigt, wie stark Anthropic seine Entwicklungsarbeit um Claude herum organisiert.
Anthropic verband die Zahlen mit einer Warnung vor rekursiver Selbstverbesserung. KI könne noch kein eigenes Nachfolgesystem entwerfen und bauen. Sollte die Entwicklung jedoch schneller voranschreiten als die Sicherheitsforschung, müsse eine internationale Verlangsamung möglich sein.
Der Zeitpunkt ist heikel: Anthropic hatte kurz zuvor vertraulich Unterlagen für einen Börsengang eingereicht. 2
Warum es wichtig ist
Die 80 Prozent sind der bisher deutlichste öffentliche Hinweis darauf, dass Programmieragenten nicht mehr nur einzelne Aufgaben erleichtern. Sie werden zu einem festen Teil der Entwicklung neuer KI-Systeme.
Realitätscheck
Menschen geben weiterhin die Aufgaben vor, prüfen den Code, testen ihn und entscheiden über die Übernahme. Die Zahlen stammen außerdem von Anthropic selbst. Der Vorschlag für eine mögliche Pause ist ernst zu nehmen, hilft dem Unternehmen vor dem Börsengang aber auch bei seiner Positionierung als sicherheitsbewusster Anbieter.
2. SpaceX wird zu einem KI-Börsengang (Raumfahrt)
SpaceX will beim Börsengang 555,6 Millionen Aktien zu je 135 Dollar verkaufen. Das würde rund 75 Milliarden Dollar einbringen und das Unternehmen mit etwa 1,75 Billionen Dollar bewerten. Die Aktie soll an der Nasdaq unter dem Kürzel SPCX gehandelt werden. 3
Die Zahlen zeigen kein reines Raumfahrtunternehmen. SpaceX setzte 2025 18,7 Milliarden Dollar um und verlor netto 4,9 Milliarden Dollar. Starlink arbeitete profitabel, das mit xAI übernommene KI-Geschäft nicht. 4
Starlink liefert damit die Gewinne, das Raketenprogramm die industrielle Grundlage. Mit dem Börsengang sollen Anleger zugleich den kostspieligen Ausbau von xAI finanzieren.
Warum es wichtig ist
Der bislang größte Börsengang ist nicht nur eine Wette auf Raketen und Satelliten. Ein Teil der Bewertung beruht auf Rechenzentren und der Idee, KI-Infrastruktur künftig auch im Orbit zu betreiben.
Realitätscheck
Der Verlust ist zum großen Teil Folge bewusster Investitionen und deshalb kein unmittelbares Warnsignal. Anleger kaufen jedoch nicht nur das profitable Starlink-Geschäft, sondern zugleich die Risiken von Starship und xAI.
3. Apple holt sich Modelltechnik von Google (KI)
Apple zeigte auf der WWDC die lange angekündigte neue Siri. Das System soll Zusammenhänge verstehen, Bildschirminhalte erfassen, über mehrere Apps hinweg arbeiten und selbstständig Schritte ausführen.
Technisch stützen sich die Funktionen auf Apple Foundation Models, die mit Unterstützung von Google und Gemini entwickelt wurden. Anfragen sollen möglichst auf dem Gerät und ansonsten über Apples Private Cloud Compute verarbeitet werden. 5
Apple übergibt Siri damit nicht vollständig an Google. Das Unternehmen kontrolliert weiterhin Geräte, Betriebssystem und Datenschutz. Beim leistungsfähigsten Teil der Modelltechnik ist es jedoch auf einen Konkurrenten angewiesen.
Warum es wichtig ist
Apple erreicht über seine Geräte Milliarden Nutzer. Wenn selbst dieses Unternehmen externe Unterstützung für seine Modelle braucht, ist der Aufbau leistungsfähiger Basismodelle offenbar schwieriger als deren Einbindung in ein fertiges Produkt.
Realitätscheck
Die Entscheidung kann trotzdem richtig sein. Apple muss nicht das beste Basismodell besitzen, wenn Siri zuverlässig, privat und tief ins Betriebssystem integriert ist. Der bisherige Anspruch, Hardware und Software vollständig selbst zu kontrollieren, gilt hier aber nur noch eingeschränkt.
4. Microsoft baut eine Plattform für Agenten (KI)
Microsoft stellte auf der Build 2026 eine gemeinsame technische Grundlage für KI-Agenten vor. Microsoft IQ soll Kontext über GitHub Copilot, Foundry und Copilot Studio hinweg bereitstellen. Außerdem startete eine Vorschau der GitHub-Copilot-App. 6
Hinzu kamen Project Rayfin, Geräte aus Project Solara und sieben eigene MAI-Modelle, darunter MAI-Thinking-1 und MAI-Code-1. Microsoft will damit Speicher, lokale Rechenleistung, Unternehmensdaten, Modelle und Laufzeitumgebung aus einer Hand anbieten.
Microsoft zielt damit nicht nur auf Chatbots, sondern auf die gesamten Arbeitsabläufe in Unternehmen.
Warum es wichtig ist
Neben der Modellqualität entscheidet zunehmend, in welchen Programmen Agenten eingesetzt werden. Microsoft bringt sie direkt in die Werkzeuge, die viele Unternehmen bereits täglich nutzen.
Realitätscheck
Die Präsentation lässt die Technik einheitlicher erscheinen, als sie im Alltag ist. Unternehmen haben uneinheitliche Zugriffsrechte, schlechte Daten und strenge Vorgaben. Viele Nutzer wollen außerdem keine unerwarteten automatischen Aktionen. Ob die einzelnen Teile zuverlässig zusammenspielen, muss Microsoft erst beweisen.