1. Anthropic überholt OpenAI (KI)
Am 28. Mai nahm Anthropic 65 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar auf. Der Grund ist einfach: Das Unternehmen braucht wesentlich mehr Kapital für wesentlich mehr Rechenleistung. 1
Die Umsätze erklären zumindest einen Teil der hohen Bewertung. Laut Anthropic stieg der hochgerechnete Jahresumsatz von rund 14 Milliarden Dollar im Februar auf mehr als 47 Milliarden Dollar im Mai. Im September 2025 war das Unternehmen 183 Milliarden Dollar wert, im Februar 380 Milliarden Dollar und jetzt 965 Milliarden Dollar. Innerhalb von neun Monaten hat sich die Bewertung damit mehr als verfünffacht.
Die Finanzierung ist eng an Rechenleistung gebunden. Rund 15 Milliarden Dollar waren bereits von Cloudpartnern zugesagt, darunter fünf Milliarden von Amazon. Zudem hat sich Anthropic bei AWS und Google Rechenkapazität von insgesamt fünf Gigawatt gesichert. Am 1. Juni reichte das Unternehmen vertraulich einen Entwurf für den Börsengang ein. 2 OpenAI wurde zuletzt mit 852 Milliarden Dollar bewertet. Anthropic liegt nun darüber.
Warum es wichtig ist
Anthropic ist nicht mehr nur der sicherheitsorientierte Konkurrent von OpenAI, sondern inzwischen das wertvollste private KI-Unternehmen der Welt. Es verfügt über hohe Umsätze, große Rechenverträge und konkrete Börsenpläne. Im Wettbewerb geht es deshalb nicht mehr nur um das beste Modell, sondern auch um Kunden, Rechenleistung, Entwickler und das Vertrauen der Anleger.
Realitätscheck
Eine private Bewertung ist noch kein Börsenkurs. Die Unterlagen sind vertraulich; Margen, Rechenkosten, Kundenkonzentration und Schulden bleiben unbekannt. In den 65 Milliarden Dollar stecken außerdem bereits zugesagte Mittel von Cloudpartnern. Erst der Börsengang zeigt, ob öffentliche Anleger die Bewertung tragen.
2. Strategy verkauft erstmals Bitcoin (Krypto)
Strategy teilte am 1. Juni mit, zwischen dem 26. und 31. Mai insgesamt 32 Bitcoin verkauft zu haben. Der Erlös lag bei rund 2,5 Millionen Dollar, im Durchschnitt 77.135 Dollar je Bitcoin. 3 Mit dem Geld zahlte Strategy Ausschüttungen auf Vorzugsaktien. Bemerkenswert ist trotzdem der Kurswechsel: Jahrelang hatte das Unternehmen erklärt, Bitcoin nur zu kaufen und nicht zu verkaufen.
Der Verkauf war sehr klein; danach hielt Strategy weiterhin 843.706 Bitcoin. In früheren Schwächephasen trat das Unternehmen jedoch als verlässlicher Käufer auf und strebte einen Bestand von einer Million Bitcoin an. Nun zeigt sich, dass auch Strategy verkaufen kann, sobald laufende Verpflichtungen fällig werden.
Der Zeitpunkt führte außerdem zu einem Streit bei Polymarket. Ein Prognosemarkt mit mehr als 50 Millionen Dollar Einsatz fragte, ob Strategy vor dem 31. Mai verkaufen würde. Der Verkauf fand vor dem Stichtag statt, wurde aber erst am 1. Juni gemeldet. 4 Gerade solche Grenzfälle sollen Prognosemärkte eindeutig entscheiden. Hier gelang das nicht.
Der übrige Markt war bereits schwach. Aus Fonds für digitale Vermögenswerte flossen innerhalb einer Woche 1,67 Milliarden Dollar ab, der zweitgrößte Rückgang des Jahres. Bitcoin-Produkte waren am stärksten betroffen. 5
Warum es wichtig ist
Die Menge ist unbedeutend, der Präzedenzfall nicht. Strategy prägte das Modell einer Unternehmenskasse, die dauerhaft Bitcoin ansammelt. Der Verkauf von 32 Bitcoin widerlegt die Strategie nicht, zeigt aber ihre Grenze: Laufende Zahlungsverpflichtungen können wichtiger werden als das Versprechen, nie zu verkaufen.
Realitätscheck
Für Strategy sind 32 Bitcoin kaum relevant. Der Verkauf war keine Wette gegen Bitcoin, und das Unternehmen hält weiterhin einen der größten Bestände weltweit. Der Streit bei Polymarket betrifft vor allem die Regeln des Prognosemarkts, nicht Bitcoin selbst.
3. IBM investiert zehn Milliarden Dollar in Quantencomputing (Quantencomputing)
Am 28. Mai kündigte IBM an, in den kommenden fünf Jahren mehr als zehn Milliarden Dollar in Quantencomputing zu investieren. Das Geld fließt in Forschung, Anlagen, Fertigung, Partnerschaften und Übernahmen. Bis 2029 soll ein großer fehlertoleranter Quantenrechner entstehen. 6
Entscheidend ist nicht ein weiteres Laborergebnis, sondern die verbindliche Summe und ein Datum in einer SEC-Mitteilung. Quantencomputing lebt seit Jahren von Zeitplänen. IBM macht daraus nun eine Kapitalzusage, an der Anleger das Unternehmen messen können.
IBM will Quantencomputing zugleich als Infrastrukturgeschäft etablieren. Der spätere Marktführer muss nach dieser Logik nicht nur bessere Qubits bauen, sondern auch Systeme, Software und Fertigung kontrollieren.
Warum es wichtig ist
Das Zieljahr 2029 schafft einen klaren Maßstab. Kommt IBM ihm nahe, könnte Quantencomputing schneller vom Forschungsversprechen zum Produkt werden als viele Anleger erwarten. Verfehlt das Unternehmen den Termin, muss es erklären, warum ein weiterer teurer Zeitplan nicht gehalten wurde.
Realitätscheck
Die zehn Milliarden Dollar verteilen sich über fünf Jahre und viele Bereiche; sie fließen nicht vollständig in einen einzelnen Rechner. Fehlertoleranz bleibt schwierig, wirtschaftlich nützliche Anwendungen sind weiterhin eng begrenzt und 2029 ist nur ein Zieltermin.
4. Nvidia setzt bei Humanoiden auf Unitree (Robotik)
Auf der GTC in Taipeh stellte Nvidia Isaac GR00T N1.5 und sein erstes offenes Referenzdesign für humanoide Roboter vor. Der Roboter selbst ist Unitrees H2 Plus, die Hände kommen von Sharpa. Nvidia liefert mit den GR00T-Modellen, der Isaac-Software und zwei Jetson-Thor-T5000-Modulen auf Blackwell-Basis die Rechen- und Softwareplattform. 8
Zu den ersten Abnehmern gehören mehrere Forschungslabore und Universitäten. Unitree will das System voraussichtlich Ende 2026 verkaufen.
Nvidia will nicht selbst den besten Roboterkörper bauen. Das Unternehmen setzt darauf, Modelle, Simulation, Trainingssoftware und den Rechner im Roboter zu liefern, auf denen andere Hersteller aufbauen.
Unitree verschafft Nvidia schnellen Zugang zu Forschungslaboren. Das Unternehmen liefert bereits günstige Roboter in Stückzahlen, die viele westliche Konkurrenten nicht erreichen. Zudem nähert es sich dem Kapitalmarkt: Die Prüfung für einen Börsengang am STAR Market in Shanghai soll abgeschlossen sein. 9 Das kann politisch heikel werden, wenn westliche Forscher Nvidia-Software auf chinesischer Hardware einsetzen.
Warum es wichtig ist
Nvidia wurde bei KI zum Marktführer, weil es Chips und die zugehörige Software kontrolliert. In der Robotik verfolgt das Unternehmen denselben Ansatz: Andere Hersteller bauen die Körper, Nvidia will die gemeinsame Rechenplattform liefern.
Realitätscheck
Ein Forschungsroboter ist noch kein Fabrikarbeiter. Unitrees Stärke liegt bei günstiger Hardware und Verkäufen an Labore, nicht bei nachgewiesener Industriearbeit. Nvidias Plattform löst weder Geschicklichkeit und Sicherheit noch Wartung, Verfügbarkeit und zuverlässige Arbeit in unkontrollierten Umgebungen.