1. OpenAI gewinnt vor Gericht und plant den Börsengang (KI)
Am 18. Mai gewann Sam Altman den Prozess zwischen Elon Musk und OpenAI. Die Geschworenen wiesen Musks Forderungen nach weniger als zwei Stunden Beratung zurück. Der Richter erklärte weitere Teile der Klage für verjährt. 1 Das Urteil beseitigte das größte rechtliche Risiko für OpenAIs Umbau, während das Unternehmen einen möglichen Börsengang vorbereitet.
Goldman Sachs und Morgan Stanley arbeiten an einer möglichen Börsennotierung im September. Ein vertraulicher Antrag wird innerhalb der nächsten Wochen erwartet. 2 OpenAI bot außerdem rund 169 aktuellen Y-Combinator-Start-ups API-Guthaben im Gesamtwert von etwa zwei Millionen Dollar gegen Unternehmensanteile an. Damit wird Rechenleistung selbst zur Finanzierung. 3
Die Schritte gehören zusammen. Das Gerichtsurteil erleichtert den Unternehmensumbau, die Banken bereiten den Zugang zum Kapitalmarkt vor und die API-Guthaben binden junge Firmen früh an OpenAIs Modelle. OpenAI will nicht nur Anbieter sein, sondern auch Infrastruktur und Kapitalquelle seines Ökosystems.
Warum es wichtig ist
OpenAI verkauft nicht mehr nur Modellzugang. Das Unternehmen will jungen KI-Firmen zugleich Rechenleistung, Finanzierung und Vertrieb bieten. API-Guthaben sind kein Bargeld, können für ein Start-up mit hohen Rechenkosten aber ähnlich wertvoll sein. Dadurch entsteht die Abhängigkeit schon vor dem ersten fertigen Produkt.
Realitätscheck
Ein möglicher Termin im September ist noch kein eingereichter Börsenprospekt. Trotz des Urteils bleibt OpenAIs Umbau kompliziert. Ein Börsengang würde mehr Angaben zu Umsätzen, Rechenverträgen, der Beziehung zu Microsoft und den Sicherheitsstrukturen verlangen. Auch die API-Guthaben sind nicht kostenlos: Sie binden Start-ups an einen einzelnen Anbieter.
2. SpaceX legt Zahlen offen und startet Starship V3 (Raumfahrt)
Am 20. Mai veröffentlichte SpaceX seinen Börsenprospekt und gab vor dem geplanten Börsengang im Juni erstmals einen breiten Einblick in seine Finanzen. 4 Der Prospekt macht das Geschäftsmodell klarer: Raketenstarts bilden die industrielle Basis, Starlink treibt das Geschäft mit Privatkunden und die Marspläne stützen einen Teil der hohen Bewertung.
SpaceX setzte 2025 18,7 Milliarden Dollar um und schrieb einen operativen Verlust von 2,6 Milliarden Dollar. 5 Anleger können nun besser beurteilen, wie Raketenstarts, das Wachstum von Starlink, Rüstungsaufträge, hohe Investitionen und der langwierige Aufbau von Starship zusammenwirken.
Am 22. Mai startete mit Flug 12 erstmals ein Starship V3 von Rampe 2 in Starbase. Es war der erste Starship-Start seit mehr als sieben Monaten. Der Booster verfehlte sein geplantes Rückkehrmanöver. Ship 39 verlor beim Aufstieg eines von sechs Triebwerken, setzte dennoch Starlink-Attrappen aus und wasserte im Indischen Ozean. 6
Warum es wichtig ist
SpaceX zeigte in derselben Woche die finanzielle und die technische Grundlage seines Börsengangs. Die hohe Bewertung setzt voraus, dass Starlink weiter schnell wächst, Starship die Startkosten senkt und SpaceX seine Kapazität im Orbit in ein dauerhaftes Infrastrukturgeschäft verwandelt.
Realitätscheck
Flug 12 war weiterhin ein Test, kein regulärer Betrieb. Der Booster scheiterte an einem Teil seines Flugprofils, und Starship hat die notwendige Wiederverwendbarkeit noch nicht bewiesen. Der Prospekt zeigt neben den Chancen auch Verluste, hohe Investitionen und regulatorische Risiken. Bei der angestrebten Bewertung bleibt wenig Spielraum für Verzögerungen.
3. Android XR kommt auf Brillen (AR/VR/XR)
Auf der Google I/O wurde aus Android XR ein Betriebssystem für Brillen. Google zeigte eine von Samsung gebaute Brille, in der Gemini Sprache, Kamerabilder, Übersetzungen und freihändige Assistenz verbindet. Die erste Version für Verbraucher soll sich vor allem auf Audio stützen. Für das Design arbeitet Google mit mehreren Brillenmarken zusammen. 7
Xreal übernimmt die Displayseite. Project Aura ist die erste angekündigte AR-Brille für Android XR und kombiniert Xreals Optik mit Qualcomm-Chips und Googles Software. 8 Der Ansatz ist technisch nüchtern: Eine Brille mit angeschlossener Recheneinheit bietet ein größeres Sichtfeld und nutzt eine Android-Entwicklerbasis, die bereits mobile Anwendungen bauen kann.
Die KI verbindet diese Hardware. Google stellte AI Ultra mit Gemini Spark vor, einen ständig verfügbaren Agenten für Recherche, Planung und persönliche Assistenz. 9 Mit Android XR verlässt dieser Agent den Browser. Die Bedienung verlagert sich vom Textfeld zu Kamera und Sprache und später auch ins Sichtfeld.
Warum es wichtig ist
Bei Verbraucherprodukten verlagert sich XR von großen Headsets zu alltagstauglicheren Brillen. Google und Samsung folgen dem Ansatz der Ray-Ban Meta: zuerst Audio und Assistenz, später ein Display. Android XR gibt Google damit einen Weg, Gemini im Alltag verfügbar zu machen.
Realitätscheck
Samsungs erste Brille soll vor allem ein Audioprodukt sein und noch keine echte AR-Anzeige bieten. Project Aura benötigt eine angeschlossene Recheneinheit und muss bei Komfort, Akkulaufzeit und Software überzeugen. Der Markt ist noch offen; bisher hat kein Anbieter bewiesen, dass Menschen solche Brillen täglich tragen wollen.
4. Die US-Regierung plant Beteiligungen an Quantenfirmen (Quantencomputing)
Am 21. Mai kündigte das US-Handelsministerium vorläufige CHIPS-Vereinbarungen an, die mehr als zwei Milliarden Dollar in Quantenunternehmen und ihre Zulieferer lenken sollen. Ungewöhnlich ist die Form: Bei IBM und GlobalFoundries soll der Staat Beteiligungen im Wert von rund 150 Millionen Dollar beziehungsweise 37,5 Millionen Dollar erhalten. 10
Quantencomputing wird damit als strategische Industrie behandelt, nicht nur als Forschungsfeld. Die geplante Förderung reicht von Rechensystemen und Sensoren bis zu Bauteilen und Fertigung. IBM und GlobalFoundries sollen den industriellen Teil absichern, weitere Unternehmen die verschiedenen technischen Ansätze.
Parallel meldete Pasqal einen technischen Fortschritt. Der Neutralatom-Prozessor des Unternehmens nutzte logische Qubits mit Fehlererkennung und schnitt bei Differentialgleichungen besser ab als physische Qubits. Die Fehlerquote sank im Durchschnitt um mehr als 50 Prozent; bei nichtlinearen Beispielen stieg die Genauigkeit bis auf das Zehnfache. 11 Das ist noch kein fehlertoleranter Quantenrechner, zeigt aber, dass sich Fehler auf heutiger Hardware bereits sinnvoll begrenzen lassen.
Warum es wichtig ist
Die US-Regierung fördert Quantencomputing nicht mehr nur über Zuschüsse, Labore und Aufträge. Mit direkten Beteiligungen wird daraus Industriepolitik: Der Staat finanziert gezielt Produktionskapazitäten und erhält dafür Eigentum.
Realitätscheck
Die Vereinbarungen sind vorläufig und können sich in Verhandlungen, politischen Verfahren und Prüfungen noch ändern. Staatliche Beteiligungen werfen zudem Fragen nach Auswahl und Einfluss auf. Pasqals Ergebnis stammt vom Unternehmen selbst und gilt nur für ausgewählte Aufgaben. Ein breiter kommerzieller Markt für Quantenrechner besteht weiterhin nicht.