1. Figure AI erreicht ein neues Leistungsniveau (Robotik)
Figure AI verlängerte einen Test über eine volle Arbeitsschicht zu einem 81-Stunden-Lauf. Nachdem die erste Schicht ohne menschlichen Eingriff beendet war, lief der Livestream weiter. Bis zum 17. Mai hatte die Figure-03-Flotte mit Helix-02 insgesamt 101.391 Pakete erkannt, gegriffen, ausgerichtet und auf Förderbänder gelegt. 2 Die Aufgabe war eng begrenzt, die Messwerte aber praxisnah: bewegte Pakete, durchgehaltene Stunden und vermiedene Eingriffe.
Anschließend stellte Figure Mensch und Maschine direkt gegenüber. In zehn Stunden sortierte der Praktikant Aime 12.924 Pakete, F.03 schaffte 12.732. Der Mensch gewann mit 192 Paketen Vorsprung und benötigte im Schnitt 2,79 Sekunden pro Paket, der Roboter 2,83 Sekunden. Figure-Chef Brett Adcock glaubt, dass dies der letzte Sieg eines Menschen gewesen sei. 3
Hinter dem Test steht inzwischen eine wachsende Produktion. Figure hat mehr als 350 Figure-03-Roboter und über 9.000 Aktuatoren gebaut. Innerhalb von weniger als 120 Tagen stieg die Fertigung von einem Roboter pro Tag auf einen pro Stunde; mehr als 80 Prozent bestehen die Endkontrolle beim ersten Versuch. 1 Meta stärkte zugleich die Softwareseite und übernahm Assured Robot Intelligence, ein Start-up für Basismodelle humanoider Roboter. 4
Warum es wichtig ist
Humanoide Robotik lässt sich nun an Arbeitsleistung statt an Vorführungen messen. Entscheidend ist der Abstand zum Menschen über eine ganze Schicht. F.03 verlor knapp, brauchte keine Pause und kann Verbesserungen sofort mit der gesamten Flotte teilen.
Realitätscheck
Der Test war inszeniert und auf eine einzige, leicht messbare Aufgabe beschränkt. Pakete zu sortieren ist nicht mit Bauarbeit, Pflege oder allgemeiner Arbeit im Haushalt vergleichbar. Livestream und Wettbewerb ersetzen keine unabhängig geprüften Kundendaten. Außerdem gewann weiterhin der Mensch. Neu ist vor allem, dass der Abstand öffentlich beziffert werden kann.
2. OpenAI baut den Unternehmenseinsatz aus (KI)
Am 11. Mai gründete OpenAI die OpenAI Deployment Company. Die eigenständige Einheit soll Ingenieure direkt in Kundenunternehmen einsetzen. Sie startet mit mehr als vier Milliarden Dollar Kapital, bleibt mehrheitlich unter OpenAIs Kontrolle und übernimmt die britische KI-Beratung Tomoro mit rund 150 Fachkräften. 5 Die Gesellschaft soll vor der Finanzierung mit zehn Milliarden Dollar bewertet sein. Neben mehreren Finanzinvestoren sind auch große Beratungsfirmen beteiligt. 6
Das Modell ähnelt Anthropics neuem Unternehmensdienstleister, bindet etablierte Beratungen jedoch direkt ein. OpenAI arbeitet damit mit genau den Firmen zusammen, deren Projektbudgets durch KI unter Druck geraten. Zugleich kauft es sich die Fachkräfte, die Modelle in den laufenden Betrieb der Kunden integrieren.
Im Laufe der Woche folgte Daybreak, eine Sicherheitsinitiative, die OpenAIs Modelle und Codex mit Produkten mehrerer großer Cybersecurity-Anbieter verbindet. 7 Am 14. Mai kam Codex in die mobile ChatGPT-App. Nutzer können Aufgaben auf iOS und Android starten, Ergebnisse prüfen, den Ablauf steuern und einzelne Schritte freigeben. Laut OpenAI verwenden inzwischen mehr als vier Millionen Menschen Codex pro Woche. 8
Warum es wichtig ist
OpenAI baut gleichzeitig Vertrieb, Cybersecurity und die Arbeit mit Programmieragenten aus. Die Deployment Company bringt Modelle in Unternehmen, Daybreak in Sicherheitsabteilungen und die mobile Codex-App auf Geräte außerhalb des Schreibtischs. Der Wettbewerb dreht sich damit zunehmend um den praktischen Einsatz beim Kunden.
Realitätscheck
Ingenieure direkt bei Kunden einzusetzen ist teuer und schwer zu skalieren. Tomoro bringt Erfahrung, doch 150 Fachkräfte reichen nicht für einen weltweiten Umbau großer Unternehmen. Die beteiligten Beratungen können zugleich Vertriebspartner und Konkurrenten sein. Auch Daybreak braucht unabhängige Prüfungen und strenge Zugangskontrollen.
3. CLARITY passiert den Ausschuss (Krypto)
Am 14. Mai verabschiedete der Bankenausschuss des Senats den Digital Asset Market Clarity Act und leitete ihn an das Plenum weiter. Das Ergebnis lautete 15 zu 9. Neben allen Republikanern stimmten auch zwei Demokraten dafür. 10 Das Gesetz würde erstmals landesweite Regeln für Märkte mit digitalen Vermögenswerten schaffen, die Aufsicht zwischen SEC und CFTC aufteilen und Vorgaben für Vermittler festlegen.
Die Beratung wurde von beiden Parteien getragen, blieb aber umkämpft. Nach stundenlangem Streit über Änderungsanträge kritisierte Senatorin Elizabeth Warren den Entwurf als zu industrienah. Ein Ethikantrag von Senator Chris Van Hollen scheiterte im Ausschuss und dürfte im Plenum erneut verhandelt werden. 9 Die Märkte reagierten zunächst positiv. Schon am 15. Mai fiel Bitcoin jedoch wieder unter 79.000 Dollar, weil höhere Anleiherenditen und neue Inflationssorgen die Risikobereitschaft dämpften. 24
Gleichzeitig blieben die Probleme der Branche sichtbar. Bitcoin Depot beantragte am 18. Mai Gläubigerschutz und verwies auf hohe Regulierungskosten, Transaktionsgrenzen, Rechtsstreitigkeiten und Maßnahmen gegen Betreiber von Bitcoin-Automaten. 11 Drei Tage zuvor hatte THORChain den Handel nach einem Angriff mit mehr als elf Millionen Dollar Schaden gestoppt. 12
Warum es wichtig ist
Erstmals hat ein umfassendes US-Gesetz zur Struktur des Kryptomarkts in dieser Form den Bankenausschuss passiert. Die 15 zu 9 Stimmen, darunter zwei von Demokraten, eröffnen einen realistischen Weg ins Plenum. Gleichzeitig zeigen Bitcoin Depot und THORChain, dass Regulierungskosten und technische Ausfälle weiter bestehen.
Realitätscheck
Der Ausschussbeschluss ist noch kein Gesetz. Der Entwurf braucht Zeit im Senat, 60 Stimmen, möglicherweise eine Einigung mit dem Repräsentantenhaus und die Unterschrift des Präsidenten. Streit über Stablecoin-Zinsen, Ethikregeln, DeFi und die Interessen der Banken kann die knappe parteiübergreifende Mehrheit noch aufbrechen.
4. Kryptomärkte handeln Firmen vor dem Börsengang (Krypto)
Cerebras lieferte den ersten klaren Vergleich zwischen einem Krypto-Terminkontrakt auf ein privates Unternehmen und dessen späterem Börsenkurs. Rund eine Stunde vor Handelsbeginn lag der Cerebras-Kontrakt bei TradeXYZ nahe 340 Dollar. Der Ausgabepreis betrug 185 Dollar, die Aktie eröffnete bei rund 350 Dollar. Der Kryptomarkt lag damit nahe am ersten öffentlichen Kurs. 15
Bei SpaceX ist der Einsatz deutlich größer. Der Börsengang an der Nasdaq ist für Juni geplant, die Preisfestsetzung für den 11. Juni. 13 Kryptobörsen bieten inzwischen rund um die Uhr synthetische Märkte für private KI- und Raumfahrtunternehmen wie Anthropic, OpenAI und SpaceX an. 14 Am 18. Mai startete TradeXYZ den Kontrakt SPCX-USDC auf Hyperliquid mit einem Referenzpreis von 150 Dollar. Das entsprach einer Bewertung von rund 1,78 Billionen Dollar; zeitweise stieg der Kontrakt auf 216 Dollar. 16
Ein zweites Beispiel zeigt die Risiken solcher parallelen Finanzwege. Iran stellte Hormuz Safe als Bitcoin-gestützte Versicherung für Schiffe in der Straße von Hormus dar. Für das genannte Umsatzziel von zehn Milliarden Dollar fehlen jedoch ein Zeitraum und belastbare Angaben zum Betrieb. 18 Die US-Sanktionsbehörde OFAC hatte bereits gewarnt, dass Zahlungen an Iran oder die Revolutionsgarden für eine sichere Passage gegen Sanktionen verstoßen können, auch bei digitalen Vermögenswerten. 17
Warum es wichtig ist
Kryptomärkte liefern zunehmend Preise für private Unternehmen, die an klassischen Börsen noch nicht handelbar sind. Cerebras zeigte, dass diese Preise nahe am späteren Eröffnungskurs liegen können. Bei SpaceX wird das Modell erstmals an einem Unternehmen mit einer Bewertung in Billionenhöhe getestet. Die Kontrakte sind keine Aktien, können aber früher einen Referenzpreis liefern.
Realitätscheck
Terminkontrakte auf private Unternehmen sind weder Aktien noch Bezugsrechte für einen Börsengang. Sie bilden nur die Preisbewegung ab und tragen zusätzliche Risiken durch geringe Liquidität, Hebel und die verwendeten Kursdaten. Auch Hormuz Safe ist bislang nicht unabhängig belegt. Zahlungen an iranische Staatsstellen können zudem Sanktionen verletzen.