1. Microsoft und OpenAI ändern ihren Vertrag (KI)
Am 27. April änderten Microsoft und OpenAI ihre Partnerschaft und beendeten die auf fünf Jahre angelegte Exklusivität. Microsoft darf OpenAIs Produkte und Modelle bis 2032 weiterhin nutzen, besitzt daran aber keine exklusiven Rechte mehr. Für OpenAI-Nutzung auf Azure zahlt Microsoft künftig keinen Umsatzanteil mehr. OpenAIs Zahlungen an Microsoft laufen bis 2030 zum bisherigen Satz weiter, erhalten jedoch eine Obergrenze. Die Vereinbarung gilt nun unabhängig vom technischen Fortschritt OpenAIs. 1
Microsoft bleibt OpenAIs wichtigster Cloudpartner. Neue Dienste sollen zuerst über Azure angeboten werden, sofern Microsoft die nötige Technik bereitstellen kann. OpenAI darf seine Produkte nun aber auch über andere Cloudanbieter vertreiben. 1 Microsoft hält demnach rund 27 Prozent an OpenAI. 2 Bis 2030 erhält der Konzern außerdem einen Umsatzanteil von etwa 20 Prozent. 3 Nur 24 Stunden später starteten GPT-5.5, Codex und OpenAI-gestützte Managed Agents in einer begrenzten Vorschau auf AWS Bedrock. 4
Warum es wichtig ist
Die wichtigste Unternehmenspartnerschaft der bisherigen KI-Welle bleibt bestehen, wird aber deutlich offener. Microsoft behält seine Beteiligung, Nutzungsrechte, Umsatzanteile und den Vorrang von Azure. OpenAI gewinnt zugleich die Freiheit, Kunden auch über AWS und weitere Anbieter zu erreichen.
Realitätscheck
Es handelt sich nicht um eine Trennung. Microsoft bleibt Großaktionär und wichtigster Cloudpartner, während OpenAIs bestehende Azure-Verpflichtungen weitergelten. Neu sind vor allem klarere zeitliche Grenzen und mehr Spielraum für beide Seiten, eigene KI-Produkte zu entwickeln.
2. Vier Cloudkonzerne planen fast 700 Milliarden Dollar (KI)
Am 29. April legten Alphabet, Microsoft, Meta und Amazon gleichzeitig ihre Quartalszahlen vor. Zusammen planen die vier Konzerne für 2026 Investitionen von rund 650 bis 700 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur. Eine ähnlich hohe gebündelte Technologiesumme hat es bisher nicht gegeben. 5 Microsoft erzielte 82,89 Milliarden Dollar Umsatz. Azure wuchs währungsbereinigt um 39 Prozent, und das KI-Geschäft erreicht inzwischen einen hochgerechneten Jahresumsatz von 37 Milliarden Dollar. 6
Alphabet setzte 109,9 Milliarden Dollar um. Google Cloud wuchs um 63 Prozent auf 20 Milliarden Dollar, der Auftragsbestand stieg auf 462 Milliarden Dollar. 7 Meta erhöhte seine Investitionsplanung für 2026 auf 125 bis 145 Milliarden US-Dollar. Die Aktie fiel nachbörslich. 8 Amazon meldete im ersten Quartal 181,5 Milliarden Dollar Umsatz, davon 37,59 Milliarden Dollar bei AWS. 9 Für 2026 erwartet der Konzern Investitionen von rund 200 Milliarden Dollar. 5 Apple folgte mit 111,2 Milliarden Dollar Umsatz im Märzquartal. 10
Warum es wichtig ist
Die Zahlen zeigen erstmals gemeinsam, ob die enormen KI-Ausgaben auf entsprechende Nachfrage treffen. Das Wachstum von Google Cloud und Microsofts KI-Umsatz sprechen dafür. Metas Kursverlust macht zugleich deutlich, dass Anleger bei jeder weiteren Investition schnellere Erträge erwarten.
Realitätscheck
Die Investitionen wachsen derzeit schneller als die daraus entstehenden Umsätze. Chips, Server und Strom belasten den freien Cashflow sofort; Abschreibungen drücken später zusätzlich auf den Gewinn. Ob die Nachfrage langfristig groß genug ist, um diese Summen zu rechtfertigen, bleibt offen. 11
3. Google schließt einen Vertrag mit dem Pentagon (KI)
Am 28. April weitete Google den Zugang des Pentagons zu seinen KI-Produkten aus. Der Vertrag soll Massenüberwachung in den USA und den Einsatz für autonome Waffen ausschließen, ähnlich wie OpenAIs Vereinbarung mit dem Verteidigungsministerium. Wie diese Grenzen durchgesetzt werden, ist unklar. 12 Google unterzeichnete trotz eines offenen Briefs von 950 Beschäftigten, die ohne strengere Schutzregeln von einer Zusammenarbeit abrieten.
Nach OpenAI und xAI ist Google der dritte große KI-Anbieter mit einem Pentagon-Vertrag seit Anthropics Ablehnung im März. In derselben Woche informierten OpenAI und Anthropic Mitarbeiter des Heimatschutzausschusses in getrennten geheimen Sitzungen über ihre Cybermodelle. OpenAI stellte GPT-5.4-Cyber vor, während Mythos weiter auf Partner von Project Glasswing beschränkt bleibt. 13
Warum es wichtig ist
Anthropics Ablehnung hat die Beschaffung des Pentagons kaum gebremst, weil drei andere führende Anbieter Verträge abgeschlossen haben. Einzelne Nutzungsgrenzen wirken nur begrenzt, solange Konkurrenten dieselbe technische Leistung zu anderen Bedingungen anbieten.
Realitätscheck
Die Beschränkungen zu Überwachung und autonomen Waffen ähneln OpenAIs Vertrag, wurden aber nicht unabhängig geprüft. Anthropics Klage läuft weiter, die Pentagon-Sperre besteht fort, und Trumps freundlichere Äußerungen vom 21. April führten bislang weder zu einem Vertrag noch zur Aufhebung des Verbots.
4. Der CLARITY Act kommt voran (Krypto)
Am 1. Mai veröffentlichten Senatoren einen Kompromiss zur Verzinsung von Stablecoins, der den Digital Asset Market Clarity Act drei Monate lang blockiert hatte. Kryptofirmen dürfen auf reine Stablecoin-Guthaben keine bankähnlichen Zinsen zahlen. Prämien für eine aktive Nutzung der Plattform bleiben jedoch möglich. 14
Coinbase und Circle unterstützten den Kompromiss noch am selben Tag. Auch der Crypto Council for Innovation stimmte zu, wies aber darauf hin, dass das Verbot weiter geht als der GENIUS Act, der nur direkte Zahlungen der Herausgeber untersagte. 15 Der Ausschuss plant die Beratung für die Woche ab dem 11. Mai. Die Chance auf eine Verabschiedung noch 2026 wird ungefähr mit 50 zu 50 eingeschätzt. 16
Warum es wichtig ist
Es ist der erste größere Fortschritt bei einem US-Gesetz zur Struktur des Kryptomarkts im Jahr 2026. Gleichzeitig endete der April mit Verlusten von 629 Millionen Dollar aus 40 Sicherheitsvorfällen bei Protokollen. 17 Banken akzeptieren damit bestimmte Stablecoin-Prämien. Die Kryptobranche akzeptiert im Gegenzug, dass sie nicht wie Zinsen auf Bankeinlagen gestaltet sein dürfen.
Realitätscheck
Der Kompromiss ist noch kein Gesetz. Er braucht die Ausschussberatung, 60 Stimmen im Senat, eine Einigung mit dem Landwirtschaftsausschuss und dem Repräsentantenhaus sowie Trumps Unterschrift. Streit über Kryptobesitz von Amtsträgern und den Schutz von DeFi-Entwicklern kann das Vorhaben weiter verzögern oder scheitern lassen.