1. Anthropic beschränkt den Zugang zu Mythos (KI)
Am 7. April startete Anthropic Project Glasswing. Dabei erhalten ausgewählte Technologie- und Cybersicherheitsunternehmen begrenzten Zugang zum noch nicht veröffentlichten Modell Claude Mythos Preview. 1 Mythos soll deutlich leistungsfähiger als Opus und Sonnet sein. Für die Öffentlichkeit bleibt es gesperrt, bis nach Ansicht Anthropics ausreichende Schutzmaßnahmen für seine riskantesten Fähigkeiten existieren.
In internen Tests fand Mythos selbstständig Tausende zuvor unbekannte Schwachstellen in wichtigen Betriebssystemen und Browsern. 2 Darunter waren ein 27 Jahre alter Fehler in OpenBSD und eine 16 Jahre alte Lücke im H.264-Codec von FFmpeg, die andere automatisierte Tests trotz Millionen Versuchen nicht entdeckt hatten. Das Modell verband außerdem mehrere Schwachstellen im Linux-Kernel, um von einem normalen Benutzerkonto die vollständige Kontrolle über einen Rechner zu erlangen.
Anthropic-Entwickler ohne besondere Sicherheitsausbildung ließen Mythos über Nacht nach Lücken für die Ausführung fremden Codes suchen. Am nächsten Morgen lagen funktionierende Angriffsmethoden vor. 3 Auf demselben Firefox-Test erzeugte Opus 4.6 bei mehreren Hundert Versuchen zwei funktionierende Exploits, Mythos dagegen 181.
Zum Partnerkreis von Project Glasswing gehören große Technologie-, Finanz- und Cybersicherheitsunternehmen. 4 Anthropic stellt Nutzungsguthaben im Wert von 100 Millionen Dollar bereit und gab mehr als 40 weiteren Organisationen Zugang. OpenAI arbeitet unter dem internen Namen Spud an einem vergleichbaren Modell. 5
Warum es wichtig ist
Erstmals hält ein führendes KI-Labor ein Modell wegen nachgewiesener offensiver Cyberfähigkeiten bewusst aus der Öffentlichkeit zurück. Mythos erzeugte selbstständig funktionierende Angriffe gegen reale Software. Für Anbieter von Sicherheitssoftware steigt damit der Zeitdruck: Sie müssen Schwachstellen schließen, bevor ähnlich leistungsfähige Modelle allgemein verfügbar werden. Aktien mehrerer Cybersicherheitsunternehmen verloren nach Bekanntwerden der Fähigkeiten zwischen 5 und 11 Prozent. 30
Realitätscheck
Das Sicherheitsunternehmen AISLE prüfte die gezeigten Schwachstellen mit kleinen offenen Modellen. Alle acht erkannten den wichtigsten FreeBSD-Fehler, darunter ein Modell mit nur 3,6 Milliarden Parametern. 6 Der Vorsprung könnte deshalb stärker in Anthropics Werkzeugen und Arbeitsabläufen liegen als im Modell selbst. Automatisierte Sicherheitsanalysen verbreiten sich bereits weit über Mythos hinaus.
2. Bitcoin-Zahlungen in der Straße von Hormus (Krypto)
Während der zweiwöchigen Waffenruhe mit den USA verlangte Iran von Öltankern in der Straße von Hormus Zahlungen in Kryptowährung. Die Gebühr beträgt einen Dollar pro geladenem Barrel. Ein voll beladener Supertanker mit zwei Millionen Barrel müsste damit rund 2 Millionen Dollar in Bitcoin zahlen. 7
Schiffe müssen ihre Frachtdaten per E-Mail an iranische Behörden senden. Nach der Prüfung erhalten sie ein kurzes Zeitfenster für die Bitcoin-Zahlung. 8 Verwaltet wird das System von den iranischen Revolutionsgarden. Das Parlament verankerte es Ende März im sogenannten Strait of Hormuz Management Plan. 9 Bei normalem Verkehrsaufkommen könnten allein Öltanker bis zu 20 Millionen Dollar pro Tag einbringen. Einschließlich Flüssiggastankern wären theoretisch 600 bis 800 Millionen Dollar im Monat möglich.
USDT eignet sich für Iran kaum, weil Tether Guthaben sperren kann und bereits Wallets im Wert von mehr als 3,3 Milliarden Dollar eingefroren hat. Bitcoin besitzt keine zentrale Stelle mit einer solchen Eingriffsmöglichkeit. 10 Genau deshalb entschied sich ein sanktionierter Staat für Bitcoin.
Warum es wichtig ist
Die Straße von Hormus transportiert rund 20 Prozent des weltweiten Öls und Flüssiggases. Dass Iran dort Bitcoin gesetzlich als Zahlungsmittel für Durchfahrten vorsieht, zeigt einen konkreten staatlichen Einsatz jenseits von Spekulation. Entscheidend ist für Iran nicht die Kursentwicklung, sondern dass keine Bank und kein Stablecoin-Anbieter die Zahlung stoppen kann. Ein ähnliches Modell an weiteren Seewegen würde die Umgehung von Sanktionen deutlich erleichtern.
Realitätscheck
Am ersten Tag der Waffenruhe passierten nur fünf Schiffe die Meerenge, darunter kein Öltanker. Gleichzeitig widersprachen sich Aussagen aus Washington dazu, ob die Durchfahrt gebührenfrei bleiben müsse. Ob das System tatsächlich dauerhaft funktioniert und relevante Einnahmen erzielt, ist deshalb noch offen.
3. Artemis II kehrt zurück (Raumfahrt)
Die Besatzung von Artemis II wasserte am 10. April vor San Diego im Pazifik. Damit endete eine fast zehntägige Reise, die vier Astronauten um den Mond und zurück geführt hatte. 11 Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen legten insgesamt 694.481 Meilen zurück. Am entferntesten Punkt waren sie 252.756 Meilen von der Erde entfernt und übertrafen damit den Rekord von Apollo 13 um mehr als 3.000 Meilen. 12
Beim Vorbeiflug am 6. April nahm die Besatzung mehr als 7.000 Bilder der Mondoberfläche auf, darunter bislang nie von Menschen gesehene Bereiche der Rückseite. 13 Sie dokumentierte außerdem eine totale Sonnenfinsternis aus der Nähe des Mondes. Zwei Krater sollen nach dem Raumschiff Integrity und nach Carroll, der verstorbenen Frau von Kommandant Wiseman, benannt werden.
Die Kapsel trat mit Mach 33 in die Erdatmosphäre ein, hielt Temperaturen von rund 3.000 Grad Fahrenheit stand und wasserte planmäßig. 14
Warum es wichtig ist
Artemis II war vor allem ein bemannter Systemtest. Orion, Hitzeschild und Lebenserhaltung funktionierten während einer zehntägigen Reise im tiefen Weltraum. Diese Ergebnisse sind die Voraussetzung für eine spätere Landung. Artemis IV soll 2028 Astronauten in die Nähe des lunaren Südpols bringen.
Realitätscheck
Probleme gab es bei Ventilen im Trinkwasser- und Antriebssystem. Vor Artemis III muss das Servicemodul deshalb überarbeitet werden. Der Zeitplan bleibt eng, und das Programm steht unter hohem Kostendruck.
4. Apple setzt auf leichtere Smart Glasses (XR)
Apple legt Vision Pro 2 vorerst auf Eis und konzentriert sich auf Smart Glasses. Das Unternehmen testet vier Rahmenformen und erwägt eine Vorstellung Ende 2026 sowie einen Verkaufsstart 2027. 15 Die Rahmen bestehen aus robustem Acetat und werden in Schwarz, Ozeanblau und Hellbraun erprobt. Eine Variante ähnelt der schmalen rechteckigen Brille von Tim Cook. 16
Die erste Generation soll kein AR-Display besitzen. Stattdessen sind hochauflösende Kameras, Objekterkennung und Übersetzung in Echtzeit, eine überarbeitete Siri sowie räumlicher Klang über AirPods geplant. 17 Ein eigener Chip auf Basis der Apple-Watch-Architektur soll die Brille antreiben. Der erwartete Preis liegt zwischen 300 und 800 Dollar und damit deutlich unter den 3.499 Dollar der Vision Pro.
Auch den leichteren Vision-Pro-Nachfolger Vision Air pausierte Apple, um Entwickler zum Brillenprojekt zu verlagern. Als Maßstab dienen Metas Ray-Ban-Brillen. Apple will sich durch Verarbeitung, Einbindung ins eigene Ökosystem und stärkere KI-Funktionen absetzen. 18
Warum es wichtig ist
Apple reagiert damit auf die schwache Verbreitung der Vision Pro. Für den Alltag waren Gewicht, Preis und abgeschottetes Nutzungserlebnis zu große Hürden. Eine leichtere Brille ohne Display bietet weniger Immersion, könnte aber deutlich häufiger getragen werden. Durch die enge Verbindung mit dem iPhone würde Apple direkt mit Meta und weiteren Anbietern um den entstehenden Markt für KI-Brillen konkurrieren.
Realitätscheck
Apple hat das Produkt nicht bestätigt, und die Angaben stammen aus nur einer Quelle. Vier parallel getestete Designs deuten darauf hin, dass wichtige Entscheidungen noch offen sind. Eine Kamerabrille ohne Display kann zudem weit weniger als die Vision Pro. Frühere Apple-Projekte wie Vision Pro oder das eingestellte Auto zeigen, dass interne Pläne nicht zuverlässig zu einem pünktlichen Marktstart führen.