1. Artemis II fliegt zum Mond (Raumfahrt)
Am 1. April schickte die NASA vier Astronauten mit dem Orion-Raumschiff auf eine zehntägige Reise um den Mond. Es ist der erste bemannte Flug über eine niedrige Erdumlaufbahn hinaus seit Apollo 17 im Dezember 1972. 1 Kommandant Reid Wiseman, Pilot Victor Glover sowie Christina Koch und Jeremy Hansen trennten Orion dreieinhalb Stunden nach dem Start von der Oberstufe der SLS-Rakete. Anschließend steuerte Glover die Kapsel manuell in der Nähe der ausgebrannten Stufe, um das Verhalten des Raumschiffs bei engen Manövern zu testen. 2
Der Vorbeiflug am Mond ist für den 6. April geplant. Die Besatzung soll dabei rund 252.000 Meilen von der Erde entfernt sein und den Distanzrekord von Apollo 13 um mehr als 3.000 Meilen übertreffen. 3 Die Wasserung ist für den 10. April vorgesehen.
Warum es wichtig ist
Glover ist der erste Schwarze Astronaut, Koch die erste Frau und Hansen der erste Kanadier auf einem Flug zum Mond. Artemis II prüft mit Besatzung alle wichtigen Systeme für spätere Landungen. Verläuft die Mission erfolgreich, will die NASA bis 2028 wieder Menschen auf die Mondoberfläche bringen und dort schrittweise eine dauerhafte Basis aufbauen.
Realitätscheck
Artemis II umrundet den Mond, landet dort aber nicht. Die SLS-Rakete hatte wiederholt Probleme mit Wasserstofflecks, Verzögerungen und steigenden Kosten. Auch der Termin für eine bemannte Landung wurde bereits mehrfach verschoben, während innerhalb der NASA verschiedene Programme um begrenzte Mittel konkurrieren.
2. OpenAI nimmt 122 Milliarden Dollar auf (KI)
OpenAI schloss eine Finanzierungsrunde über 122 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 852 Milliarden Dollar ab. Es ist die größte private Kapitalaufnahme der Geschichte. 4 Amazon sagte 50 Milliarden Dollar zu, davon 35 Milliarden Dollar unter der Bedingung eines Börsengangs oder des Erreichens allgemeiner künstlicher Intelligenz. Nvidia und SoftBank investierten jeweils 30 Milliarden Dollar. Erstmals konnten sich auch Privatanleger über Banken beteiligen und steuerten 3 Milliarden Dollar bei. Zudem sollen Fonds von ARK Invest OpenAI-Anteile schon vor einem Börsengang aufnehmen. 5
OpenAI erzielt inzwischen 2 Milliarden Dollar Umsatz pro Monat und wächst damit deutlich schneller als Alphabet und Meta in einer vergleichbaren Unternehmensphase. 6 ChatGPT erreicht 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzer und 50 Millionen Abonnenten. Codex wird jede Woche von 2 Millionen Menschen genutzt, fünfmal so vielen wie drei Monate zuvor. Unternehmenskunden liefern 40 Prozent des Umsatzes. Das neue Werbegeschäft erreichte nach sechs Wochen einen hochgerechneten Jahresumsatz von 100 Millionen Dollar.
Warum es wichtig ist
Die Runde finanziert nicht nur ein einzelnes Modell, sondern Rechenzentren, Chips und die weltweite Verbreitung von OpenAIs Diensten. Mehrere Geldgeber verkaufen OpenAI zugleich Cloudleistung oder Hardware. Sie investieren damit in einen ihrer größten künftigen Kunden und sichern sich einen Anteil am erwarteten Wachstum.
Realitätscheck
OpenAI arbeitet weiterhin nicht profitabel und verbraucht sehr viel Kapital. Eine Finanzierung dieser Größe erhöht den Druck, später hohe Renditen zu liefern. 35 Milliarden Dollar von Amazon sind außerdem an einen Börsengang oder das Erreichen von AGI gebunden. Beides ist nicht sicher. Auch die Bewertung blieb unter früher diskutierten Zielen nahe einer Billion Dollar.
3. Anthropics Quellcode legt neue Pläne offen (KI)
Am 31. März machte ein falsch konfiguriertes npm-Paket rund 512.000 Zeilen Quellcode von Claude Code öffentlich zugänglich. 7 Anthropic bestätigte einen Fehler beim Verpacken der Software und keinen Einbruch in seine Systeme. Kundendaten waren nicht betroffen. Der Code enthielt jedoch mehrere noch nicht veröffentlichte Funktionen für KI-Agenten.
Zu sehen waren unter anderem ein Assistent zum Erstellen eigener Agenten, eine Steuerzentrale für parallel arbeitende Agententeams und Auto-Dream. Diese Funktion soll Erinnerungen ordnen, während der Nutzer offline ist. Hinzu kamen ein spielerischer Begleiter namens Buddy mit verschiedenen Figuren sowie eine versteckte Funktion mit dem Codenamen Torch. 8
Anthropic ließ den Code daraufhin über Urheberrechtsmeldungen von GitHub entfernen. Dabei wurden vorübergehend auch Tausende unbeteiligte Repositories gesperrt; die meisten Meldungen zog das Unternehmen später zurück. 9
Warum es wichtig ist
Die Funktionen deuten auf eine Plattform hin, auf der Nutzer mehrere KI-Agenten erstellen, koordinieren und mit dauerhaftem Gedächtnis ausstatten können. Die spielerischen Elemente zeigen außerdem, dass Anthropic nicht nur an technischen Fähigkeiten arbeitet, sondern auch an einer regelmäßigen Nutzung im Alltag.
Realitätscheck
Keine dieser Funktionen ist offiziell veröffentlicht, und ein Zeitplan fehlt. Quellcode kann außerdem Experimente enthalten, die nie als Produkt erscheinen. Trotzdem wirft der zweite unbeabsichtigte Einblick innerhalb weniger Wochen Fragen zu Anthropics internen Veröffentlichungsprozessen auf.
4. Die Quantenwarnung wird konkret (Quantencomputing / Krypto)
Google Research bezeichnete ECDLP-256 ausdrücklich als durch Quantencomputer angreifbar. Das Verfahren auf Basis elliptischer Kurven schützt unter anderem Bitcoin, Ethereum und viele weitere Blockchains. 10 Die Forscher drängen deshalb auf eine schnellere Einführung quantensicherer Kryptografie.
Unabhängig davon veröffentlichten IQM Quantum Computers und Fraunhofer FOKUS Version 0.8 ihres Qrisp-Frameworks. Damit gelang erstmals eine vollständige Übersetzung von Shors Algorithmus für 2048-Bit-RSA-Schlüssel in einzelne Quantengatter. 11 Aus einer theoretischen Methode wird damit eine konkrete technische Aufgabe mit berechenbarem Bedarf an Qubits und Rechenschritten.
Warum es wichtig ist
Die beiden Arbeiten benennen genauer, welche heutigen Verfahren bedroht sind und welche Rechenleistung ein Angriff benötigen würde. Für Blockchains ist das wichtig, weil eine Umstellung auf neue Signaturen Jahre dauern kann und Millionen Nutzer sowie Netzwerkknoten koordiniert werden müssen.
Realitätscheck
Kein heutiger Quantencomputer kann einen solchen Angriff ausführen. Benötigte Qubit-Zahlen und Fehlerraten liegen weit außerhalb der aktuellen Hardware. Standards für quantensichere Kryptografie existieren bereits, doch die Umstellung einer dezentralen Blockchain ist besonders langsam und aufwendig.
5. Klonkörper ohne Gehirn (Langlebigkeit)
Das kalifornische Startup R3 Bio warb in vertraulichen Unterlagen mit der Idee, menschliche Klonkörper ohne Gehirn als Organquelle und möglicherweise für spätere Gehirntransplantationen zu züchten. 12 Öffentlich spricht das Unternehmen bislang von nicht empfindungsfähigem Affengewebe für Medikamententests. Interne Dokumente und ein vertraulicher Vortrag auf der teuren Konferenz Abundance Longevity beschreiben jedoch als langfristiges Ziel vollständige menschliche Körper, die ohne Gehirn entwickelt werden sollen.
R3 Bio hat bislang kein Tier geklont, das größer als ein Nagetier ist. Ein Mensch wurde noch nie geklont. Das Unternehmen bestreitet, öffentlich über hirnlose menschliche Klone gesprochen zu haben. Dokumentiert sind allerdings ein internes Schreiben von 2023 und der vertrauliche Vortrag zum vollständigen Körperersatz. 13
Warum es wichtig ist
Organe aus den eigenen Zellen eines Patienten könnten Abstoßungsreaktionen vermeiden und einen echten medizinischen Engpass lindern. Der Schritt von gezüchteten Organen zu vollständigen menschlichen Körpern ohne Gehirn ist jedoch wissenschaftlich riesig und ethisch kaum geregelt. Dass private Investoren solche Pläne bereits finanzieren, macht eine frühzeitige gesellschaftliche Debatte nötig.
Realitätscheck
R3 Bios Plan ist eine weit entfernte Vision und kein einsatzfähiges Verfahren. Das Unternehmen kann keine Primaten klonen, hat keinen regulatorischen Weg und nennt keinen Zeitplan für Anwendungen am Menschen. Die Darstellung sagt derzeit mehr über die Risikobereitschaft von Longevity-Investoren aus als über einen bevorstehenden medizinischen Durchbruch.