1. Anthropic gibt Claude Zugriff auf den Computer (KI)
Am 23. März veröffentlichte Anthropic Claude Computer Use. Damit kann das Modell selbstständig Programme, Browser und Dateien auf einem Computer bedienen. Zusätzliche Schnittstellen sind dafür nicht nötig. Über Dispatch lässt sich Claude vom Smartphone aus anweisen, während es auf dem eigenen Rechner arbeitet. Insgesamt brachte Anthropic in dieser Woche neun neue Funktionen heraus. 1
Drei Tage später wurden durch einen Fehler im Content-Management rund 3.000 unveröffentlichte Dateien von Anthropics Website zugänglich. Darunter waren Angaben zu einem internen Modell mit dem Codenamen Capybara und dem Produktnamen Claude Mythos. 2 Ein Entwurf für einen Blogbeitrag beschrieb Mythos als deutlich leistungsfähiger bei Cyberangriffen als andere Modelle und warnte vor entsprechend großen Sicherheitsrisiken. 3 Anthropic will das Modell deshalb zunächst nur ausgewählten Cybersicherheitsexperten zugänglich machen. Es soll oberhalb der Modellreihen Opus und Sonnet liegen.
Warum es wichtig ist
Mit Computer Use wird Claude von einem Chatprogramm zu einem System, das selbst mit digitalen Werkzeugen arbeitet. Mythos zeigt die andere Seite derselben Entwicklung: Je besser Modelle Software bedienen und verstehen, desto leichter können sie auch Schwachstellen suchen und ausnutzen.
Realitätscheck
Computer Use braucht weiterhin Aufsicht. Anthropic empfiehlt bei sensiblen Aufgaben ausdrücklich eine menschliche Kontrolle. Die Angaben zu Mythos stammen zudem aus einem Entwurf und nicht aus einer unabhängigen Bewertung. Wie leistungsfähig das Modell tatsächlich ist, lässt sich daraus allein nicht ableiten.
2. Neuralink gibt einem ALS-Patienten seine Stimme zurück (BCI)
Kenneth Shock, der zweite Mensch mit einem Neuralink-Implantat, kann allein über seine Hirnaktivität kommunizieren. Das System wandelt seine beabsichtigten Wörter in hörbare Sprache um und nutzt dabei eine aus alten Aufnahmen rekonstruierte Version seiner eigenen Stimme. 4 Shock lebt mit ALS und verlor zunehmend die Fähigkeit zu sprechen. Die Gehirn-Computer-Schnittstelle erkennt Sprachabsichten in den neuronalen Signalen und gibt sie in Echtzeit mit einer Stimme wieder, die seiner früheren Stimme ähnelt.
Warum es wichtig ist
Weltweit leben schätzungsweise 300.000 Menschen mit ALS. Viele weitere verlieren ihre Sprache durch Schlaganfälle, Hirnverletzungen oder Parkinson. Ein System, das nicht nur Wörter ausgibt, sondern die vertraute Stimme eines Menschen rekonstruiert, kann Kommunikation persönlicher und leichter verständlich machen.
Realitätscheck
Zwei Patienten reichen nicht aus, um Wirksamkeit und Sicherheit zu beurteilen. Das Implantat erfordert eine Gehirnoperation, und Langzeitdaten fehlen. Bislang funktioniert das System unter kontrollierten Bedingungen. Ob es bei unterschiedlichen neurologischen Erkrankungen zuverlässig arbeitet, ist offen. Eine breite Zulassung liegt noch Jahre entfernt.
3. Miner verkaufen Bitcoin für KI-Rechenzentren (Krypto)
Bitcoin fiel innerhalb einer Woche von rund 72.000 auf 66.350 Dollar. Am 27. März liefen auf Deribit Kryptooptionen im Wert von mehr als 14 Milliarden Dollar aus, die größte vierteljährliche Abrechnung von Derivaten im Jahr 2026. 5 MARA Holdings verkaufte 15.133 Bitcoin für 1,1 Milliarden Dollar. Mit dem Erlös tilgte das Unternehmen 30 Prozent seiner Wandelschulden und will einen Teil seiner 2,8 Gigawatt Rechenleistung für KI-Rechenzentren nutzen. 6 Core Scientific verkaufte seinen gesamten Bitcoin-Bestand und nahm bei Morgan Stanley einen Kredit über 500 Millionen Dollar für KI-Infrastruktur auf. 7
Strategy kündigte dagegen ein neues Finanzierungsprogramm über 42 Milliarden Dollar an, je zur Hälfte über Stamm- und Vorzugsaktien. Bis Ende 2026 will das Unternehmen eine Million Bitcoin halten. 8 Allein in den vorangegangenen 30 Tagen kaufte Strategy 45.000 Bitcoin und erhöhte seinen Gesamtbestand auf 762.099. Gleichzeitig zeigten Blockchain-Daten, dass große Halter während des Kursrückgangs zukauften, während viele Kleinanleger verkauften.
Warum es wichtig ist
Die großen Unternehmen verfolgen inzwischen gegensätzliche Strategien. Strategy setzt weiter auf Bitcoin selbst. Miner wie MARA und Core Scientific sehen den größeren Wert dagegen in Stromanschlüssen und Rechenzentren, die sich für KI vermieten lassen.
Realitätscheck
Strategy muss die angekündigten 42 Milliarden Dollar erst am Kapitalmarkt aufnehmen. Bei fallenden Kursen und schwächerer Nachfrage kann das teuer oder unmöglich werden. Die Käufe eines einzelnen Unternehmens belegen außerdem keinen dauerhaften Tiefpunkt bei Bitcoin.
4. Lilly setzt auf KI-entwickelte Medikamente (Langlebigkeit)
Eli Lilly schloss mit dem Hongkonger Unternehmen Insilico Medicine einen Vertrag über bis zu 2,75 Milliarden Dollar. Davon werden 115 Millionen Dollar sofort gezahlt. 9 Insilico nutzt 42 KI-Modelle, um neue Wirkstoffkandidaten zu entwerfen. PandaOmics sucht geeignete Zielproteine, weitere Systeme berechnen mögliche Molekülstrukturen. Einen Wirkstoff gegen Fibrose brachte das Unternehmen nach 18 Monaten in die klinische Prüfung. Klassische Verfahren benötigen dafür oft vier bis sechs Jahre. 10 Insgesamt befinden sich inzwischen vierzehn mit KI entdeckte Wirkstoffe des Unternehmens in klinischen Studien.
Warum es wichtig ist
Die Entwicklung neuer Medikamente ist teuer und scheitert in rund 90 Prozent der Fälle. Wenn KI schneller geeignete Moleküle findet, können Unternehmen mehr Ansätze parallel prüfen und auch kleinere Krankheitsfelder wirtschaftlich bearbeiten. Die aufwendigen klinischen Studien bleiben jedoch bestehen.
Realitätscheck
Der Eintritt in eine klinische Studie bedeutet noch keine Zulassung. Mehr als 90 Prozent der Wirkstoffe scheitern während der Prüfungen. KI kann Kandidaten schneller erzeugen, aber nicht vorhersagen, wie der menschliche Körper in jedem Fall reagiert. Der größte Teil der 2,75 Milliarden Dollar ist zudem an Meilensteine gebunden.
5. Der Roboter-Mönch von Kyoto (Robotik)
Im Shoren-in-Tempel in Kyoto sitzt ein Roboter in Gebetshaltung und hält buddhistische Predigten. Der sogenannte Buddharoid wurde von der Universität Kyoto gemeinsam mit dem Tempel entwickelt. Sein BuddhaBot-Plus-System wurde mit buddhistischen Schriften aus mehr als tausend Jahren trainiert. 11
In Japan schließen immer mehr Tempel. Die Bevölkerung altert, weniger junge Menschen werden Priester, und besonders ländliche Gemeinden finden kaum Nachfolger. Der Roboter soll Predigten dort verfügbar machen, wo menschliches Personal fehlt.
Warum es wichtig ist
Der Einsatz zeigt, wie eine alternde Gesellschaft auf Personalmangel reagiert. Automatisierung erreicht damit auch religiöse Aufgaben, die lange als rein menschlich galten. Ähnliche Versuche dürften in anderen Bereichen folgen, in denen Nachwuchs fehlt.
Realitätscheck
Ein Roboter in einem Tempel ist noch kein breiter Trend. Buddhistische Gelehrte sind uneins, ob eine maschinell vorgetragene Lehre religiöse Autorität haben kann. Die Schließung vieler Tempel hängt außerdem mit Urbanisierung und Säkularisierung zusammen. Ein Roboter löst diese Ursachen nicht.