1. Anthropic sagt dem Pentagon Nein
Das Pentagon wollte Claude für alle rechtmäßigen Zwecke einsetzen und schloss weder Massenüberwachung noch autonome Waffen aus. Anthropic erklärte, der Vertrag könne die eigenen Schutzmaßnahmen aushebeln, und lehnte ihn ab. 1 Verteidigungsminister Hegseth stufte Anthropic daraufhin als Risiko für die Lieferkette ein. Diese Bezeichnung wird sonst vor allem für ausländische Unternehmen wie Huawei verwendet. 2 Trump wies alle Bundesbehörden an, Anthropics Technik nicht mehr zu nutzen, und bezeichnete das Unternehmen als radikal links. 3 Noch am selben Freitag gab OpenAI einen eigenen Vertrag mit dem Pentagon bekannt. 4 Am nächsten Morgen griffen die USA und Israel einen Komplex in Teheran an. Dabei wurden der oberste Führer Khamenei und rund 40 hochrangige Amtsträger getötet. 5 Das US-Zentralkommando hatte Claude bei der Operation für die Auswertung von Geheimdienstinformationen, die Zielauswahl und Kampfsimulationen eingesetzt, nur wenige Stunden nach der Sperre. Bis Samstagabend stand Claude nach mehr als 500.000 Downloads an einem Tag auf Platz eins im App Store. 6
Warum es wichtig ist
Der Fall zeigt den KI-Laboren, welchen Preis ein Nein zur Regierung haben kann. Konkurrenten sehen zugleich, dass weniger strenge Nutzungsregeln staatliche Aufträge bringen können. Dass die Regierung Claude sperrte und das Militär dasselbe Modell kurz darauf bei einem Angriff einsetzte, macht den Konflikt um die Kontrolle dieser Systeme sichtbar.
Realitätscheck
Der Pentagon-Vertrag hatte ein Volumen von höchstens 200 Millionen Dollar und war damit im Verhältnis zu Anthropics 14 Milliarden Dollar Umsatz klein. Größer ist das Risiko, weitere Kunden mit Regierungsaufträgen zu verlieren. Claudes Erfolg im App Store ist bemerkenswert, doch ChatGPT erreicht weiterhin deutlich mehr Nutzer.
2. 840 Milliarden Dollar und ein Pentagon-Auftrag
OpenAI nahm 110 Milliarden Dollar auf, die größte private Finanzierungsrunde der Geschichte. Das Unternehmen wurde vor der Runde mit 730 Milliarden und danach mit 840 Milliarden Dollar bewertet. 7 Amazon steuerte 50 Milliarden Dollar bei, Nvidia und SoftBank jeweils 30 Milliarden Dollar. 8 Teil der Vereinbarung mit Amazon sind Cloudausgaben von 100 Milliarden Dollar über acht Jahre. OpenAI will seine Modelle außerdem auf Vera-Rubin-Chips von Nvidia mit insgesamt fünf Gigawatt Leistung betreiben. 9 Amazon ist nun sowohl an Anthropic als auch an OpenAI beteiligt. Microsoft, zuvor OpenAIs größter Geldgeber, nahm nicht an der Runde teil. Finanzierung und Pentagon-Vertrag wurden am selben Tag bekannt.
Warum es wichtig ist
Chiphersteller und Cloudanbieter finanzieren inzwischen die KI-Labore, die zugleich zu ihren größten Kunden gehören. Der Pentagon-Auftrag verschafft OpenAI zusätzlich politische Bedeutung, die eine Finanzierungsrunde allein nicht erzeugen kann.
Realitätscheck
Mit 840 Milliarden Dollar ist OpenAI höher bewertet als die meisten börsennotierten Unternehmen. Der Streit um Anthropic zeigt, dass die Haltung zur militärischen Nutzung für Nutzer und Beschäftigte eine Rolle spielt. Unklar ist, wie lange diese Reaktion anhält.
3. KI als Begründung für Stellenabbau
Jack Dorsey strich bei Block 4.000 Stellen, fast die Hälfte der Belegschaft, und begründete den Schritt mit KI. 10 Nach seiner Darstellung ging es weder um finanzielle Schwierigkeiten noch um eine klassische Umstrukturierung. KI-Werkzeuge hätten grundlegend verändert, wie Unternehmen aufgebaut und geführt werden, und die meisten Firmen hätten das noch nicht erkannt. 11 Nach starken Quartalszahlen stieg die Aktie um rund 24 Prozent. Der Umsatz lag bei 6,25 Milliarden Dollar, der Bruttogewinn legte ebenfalls um 24 Prozent zu. 12 Dorsey erwartet, dass viele Unternehmen innerhalb eines Jahres ähnlich vorgehen werden.
Warum es wichtig ist
Die Börse belohnte einen drastischen Stellenabbau, den das Unternehmen ausdrücklich mit KI begründete. Das schafft einen klaren Anreiz für andere Technologiechefs, Einsparungen auf ähnliche Weise zu erklären.
Realitätscheck
Block wuchs von 3.800 Beschäftigten vor der Pandemie auf mehr als 10.000. 13 Ein Teil des Abbaus korrigiert damit die starke Einstellung während der Pandemie; KI liefert dafür eine zeitgemäße Begründung. Allein die Abfindungen kosten zwischen 450 und 500 Millionen Dollar. Beide Erklärungen können zugleich zutreffen.
4. Das Geschäft verlagert sich zur Inferenz
Nvidia meldete für das vierte Quartal 68,1 Milliarden Dollar Umsatz, 73 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon entfielen 62,3 Milliarden Dollar auf Rechenzentren, inzwischen mehr als 91 Prozent des Gesamtumsatzes. Im Gesamtjahr setzte Nvidia 215,9 Milliarden Dollar um. 14 Für das nächste Quartal stellte das Unternehmen 78 Milliarden Dollar in Aussicht, deutlich mehr als die erwarteten 72,6 Milliarden Dollar. 15 Jensen Huang stellte mit Vera Rubin eine Plattform aus sechs neuen Chips vor. Sie soll die Kosten für den Betrieb von KI-Modellen gegenüber der aktuellen Generation um den Faktor zehn senken. Erste Systeme werden bereits an Kunden geliefert. 16
Warum es wichtig ist
Nach dem Training wird der laufende Betrieb von KI-Modellen zum nächsten großen Markt. Jede Anfrage benötigt Rechenleistung, und Nvidia liefert einen Großteil der dafür verwendeten Chips.
Realitätscheck
Die Aktie stieg zunächst und gab die Gewinne später wieder ab. Bei einer Bewertung von 4,8 Billionen Dollar reicht es kaum, Erwartungen nur zu übertreffen. Entscheidend ist, ob sich die hohen Infrastrukturkosten auch für Nvidias Kunden auszahlen.
5. Ein Szenario bewegt die Märkte
Ein 33-jähriger Gründer veröffentlichte auf Substack ein fiktives Memo aus dem Juni 2028 und löste damit deutliche Marktbewegungen aus. Das Szenario beschreibt einen KI-bedingten Produktivitätsschub, durch den viele Bürojobs verschwinden, der Konsum einbricht, die Arbeitslosigkeit auf mehr als 10 Prozent steigt und der S&P 500 um 40 Prozent fällt. 17 Der Text verbreitete sich am Wochenende rasant. Am Montag verloren Visa und Mastercard zum Handelsstart jeweils rund fünf Prozent. 18 Citadel Securities widersprach in einer eigenen Analyse und verwies darauf, dass die aktuellen Arbeitsmarktdaten keinen bevorstehenden Einbruch erkennen ließen. 19 Auch Fed-Gouverneur Christopher Waller widersprach und sagte, KI werde den Menschen nicht ersetzen. 20
Warum es wichtig ist
Ein einzelner Substack-Text bewegte innerhalb von 48 Stunden Milliarden an Börsenwert. Das zeigt, wie stark zugespitzte KI-Szenarien die Märkte inzwischen beeinflussen. Die zugrunde liegende Frage bleibt relevant: Was geschieht mit der Nachfrage, wenn die Produktivität steigt, aber viele Einkommen wegfallen?
Realitätscheck
Der Text war ausdrücklich ein konstruiertes Szenario und keine Prognose. Dass die Märkte dennoch so stark reagierten, sagt mehr über die Nervosität der Anleger als über seine Eintrittswahrscheinlichkeit. Citadel wies zu Recht darauf hin, dass die Einführung von KI langsamer, teurer und stärker begrenzt verläuft, als das Szenario unterstellt.