2. März 2026

Log 003 - Als KI in den Krieg zog

Anthropic verweigerte dem Pentagon den uneingeschränkten militärischen Zugriff auf Claude und wurde daraufhin von der Regierung gesperrt. Wenige Stunden später nutzte das US-Militär Claude bei dem gemeinsamen Angriff, bei dem Irans oberster Führer getötet wurde. Noch am selben Abend erreichte Claude Platz eins im App Store. OpenAI schloss am gleichen Tag die größte private Finanzierungsrunde der Geschichte ab und übernahm Anthropics Pentagon-Auftrag. Ein fiktives Szenario über einen KI-bedingten Wirtschaftseinbruch bewegte innerhalb von 48 Stunden Milliarden an Börsenwert. Jack Dorsey strich fast die Hälfte der Stellen bei Block, verwies auf KI, und die Aktie stieg um 24 Prozent.

In diesem Log

1. Anthropic sagt dem Pentagon Nein

Das Pentagon wollte Claude für alle rechtmäßigen Zwecke einsetzen und schloss weder Massenüberwachung noch autonome Waffen aus. Anthropic erklärte, der Vertrag könne die eigenen Schutzmaßnahmen aushebeln, und lehnte ihn ab. 1 Verteidigungsminister Hegseth stufte Anthropic daraufhin als Risiko für die Lieferkette ein. Diese Bezeichnung wird sonst vor allem für ausländische Unternehmen wie Huawei verwendet. 2 Trump wies alle Bundesbehörden an, Anthropics Technik nicht mehr zu nutzen, und bezeichnete das Unternehmen als radikal links. 3 Noch am selben Freitag gab OpenAI einen eigenen Vertrag mit dem Pentagon bekannt. 4 Am nächsten Morgen griffen die USA und Israel einen Komplex in Teheran an. Dabei wurden der oberste Führer Khamenei und rund 40 hochrangige Amtsträger getötet. 5 Das US-Zentralkommando hatte Claude bei der Operation für die Auswertung von Geheimdienstinformationen, die Zielauswahl und Kampfsimulationen eingesetzt, nur wenige Stunden nach der Sperre. Bis Samstagabend stand Claude nach mehr als 500.000 Downloads an einem Tag auf Platz eins im App Store. 6

Warum es wichtig ist

Der Fall zeigt den KI-Laboren, welchen Preis ein Nein zur Regierung haben kann. Konkurrenten sehen zugleich, dass weniger strenge Nutzungsregeln staatliche Aufträge bringen können. Dass die Regierung Claude sperrte und das Militär dasselbe Modell kurz darauf bei einem Angriff einsetzte, macht den Konflikt um die Kontrolle dieser Systeme sichtbar.

Realitätscheck

Der Pentagon-Vertrag hatte ein Volumen von höchstens 200 Millionen Dollar und war damit im Verhältnis zu Anthropics 14 Milliarden Dollar Umsatz klein. Größer ist das Risiko, weitere Kunden mit Regierungsaufträgen zu verlieren. Claudes Erfolg im App Store ist bemerkenswert, doch ChatGPT erreicht weiterhin deutlich mehr Nutzer.

2. 840 Milliarden Dollar und ein Pentagon-Auftrag

OpenAI nahm 110 Milliarden Dollar auf, die größte private Finanzierungsrunde der Geschichte. Das Unternehmen wurde vor der Runde mit 730 Milliarden und danach mit 840 Milliarden Dollar bewertet. 7 Amazon steuerte 50 Milliarden Dollar bei, Nvidia und SoftBank jeweils 30 Milliarden Dollar. 8 Teil der Vereinbarung mit Amazon sind Cloudausgaben von 100 Milliarden Dollar über acht Jahre. OpenAI will seine Modelle außerdem auf Vera-Rubin-Chips von Nvidia mit insgesamt fünf Gigawatt Leistung betreiben. 9 Amazon ist nun sowohl an Anthropic als auch an OpenAI beteiligt. Microsoft, zuvor OpenAIs größter Geldgeber, nahm nicht an der Runde teil. Finanzierung und Pentagon-Vertrag wurden am selben Tag bekannt.

Warum es wichtig ist

Chiphersteller und Cloudanbieter finanzieren inzwischen die KI-Labore, die zugleich zu ihren größten Kunden gehören. Der Pentagon-Auftrag verschafft OpenAI zusätzlich politische Bedeutung, die eine Finanzierungsrunde allein nicht erzeugen kann.

Realitätscheck

Mit 840 Milliarden Dollar ist OpenAI höher bewertet als die meisten börsennotierten Unternehmen. Der Streit um Anthropic zeigt, dass die Haltung zur militärischen Nutzung für Nutzer und Beschäftigte eine Rolle spielt. Unklar ist, wie lange diese Reaktion anhält.

3. KI als Begründung für Stellenabbau

Jack Dorsey strich bei Block 4.000 Stellen, fast die Hälfte der Belegschaft, und begründete den Schritt mit KI. 10 Nach seiner Darstellung ging es weder um finanzielle Schwierigkeiten noch um eine klassische Umstrukturierung. KI-Werkzeuge hätten grundlegend verändert, wie Unternehmen aufgebaut und geführt werden, und die meisten Firmen hätten das noch nicht erkannt. 11 Nach starken Quartalszahlen stieg die Aktie um rund 24 Prozent. Der Umsatz lag bei 6,25 Milliarden Dollar, der Bruttogewinn legte ebenfalls um 24 Prozent zu. 12 Dorsey erwartet, dass viele Unternehmen innerhalb eines Jahres ähnlich vorgehen werden.

Warum es wichtig ist

Die Börse belohnte einen drastischen Stellenabbau, den das Unternehmen ausdrücklich mit KI begründete. Das schafft einen klaren Anreiz für andere Technologiechefs, Einsparungen auf ähnliche Weise zu erklären.

Realitätscheck

Block wuchs von 3.800 Beschäftigten vor der Pandemie auf mehr als 10.000. 13 Ein Teil des Abbaus korrigiert damit die starke Einstellung während der Pandemie; KI liefert dafür eine zeitgemäße Begründung. Allein die Abfindungen kosten zwischen 450 und 500 Millionen Dollar. Beide Erklärungen können zugleich zutreffen.

4. Das Geschäft verlagert sich zur Inferenz

Nvidia meldete für das vierte Quartal 68,1 Milliarden Dollar Umsatz, 73 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon entfielen 62,3 Milliarden Dollar auf Rechenzentren, inzwischen mehr als 91 Prozent des Gesamtumsatzes. Im Gesamtjahr setzte Nvidia 215,9 Milliarden Dollar um. 14 Für das nächste Quartal stellte das Unternehmen 78 Milliarden Dollar in Aussicht, deutlich mehr als die erwarteten 72,6 Milliarden Dollar. 15 Jensen Huang stellte mit Vera Rubin eine Plattform aus sechs neuen Chips vor. Sie soll die Kosten für den Betrieb von KI-Modellen gegenüber der aktuellen Generation um den Faktor zehn senken. Erste Systeme werden bereits an Kunden geliefert. 16

Warum es wichtig ist

Nach dem Training wird der laufende Betrieb von KI-Modellen zum nächsten großen Markt. Jede Anfrage benötigt Rechenleistung, und Nvidia liefert einen Großteil der dafür verwendeten Chips.

Realitätscheck

Die Aktie stieg zunächst und gab die Gewinne später wieder ab. Bei einer Bewertung von 4,8 Billionen Dollar reicht es kaum, Erwartungen nur zu übertreffen. Entscheidend ist, ob sich die hohen Infrastrukturkosten auch für Nvidias Kunden auszahlen.

5. Ein Szenario bewegt die Märkte

Ein 33-jähriger Gründer veröffentlichte auf Substack ein fiktives Memo aus dem Juni 2028 und löste damit deutliche Marktbewegungen aus. Das Szenario beschreibt einen KI-bedingten Produktivitätsschub, durch den viele Bürojobs verschwinden, der Konsum einbricht, die Arbeitslosigkeit auf mehr als 10 Prozent steigt und der S&P 500 um 40 Prozent fällt. 17 Der Text verbreitete sich am Wochenende rasant. Am Montag verloren Visa und Mastercard zum Handelsstart jeweils rund fünf Prozent. 18 Citadel Securities widersprach in einer eigenen Analyse und verwies darauf, dass die aktuellen Arbeitsmarktdaten keinen bevorstehenden Einbruch erkennen ließen. 19 Auch Fed-Gouverneur Christopher Waller widersprach und sagte, KI werde den Menschen nicht ersetzen. 20

Warum es wichtig ist

Ein einzelner Substack-Text bewegte innerhalb von 48 Stunden Milliarden an Börsenwert. Das zeigt, wie stark zugespitzte KI-Szenarien die Märkte inzwischen beeinflussen. Die zugrunde liegende Frage bleibt relevant: Was geschieht mit der Nachfrage, wenn die Produktivität steigt, aber viele Einkommen wegfallen?

Realitätscheck

Der Text war ausdrücklich ein konstruiertes Szenario und keine Prognose. Dass die Märkte dennoch so stark reagierten, sagt mehr über die Nervosität der Anleger als über seine Eintrittswahrscheinlichkeit. Citadel wies zu Recht darauf hin, dass die Einführung von KI langsamer, teurer und stärker begrenzt verläuft, als das Szenario unterstellt.

Signale

Ein KI-Agent überweist versehentlich Token im Wert von 450.000 Dollar

Ein von einem OpenAI-Entwickler gebauter Handelsagent überwies nach einem Speicherverlust versehentlich 52,4 Millionen LOBSTAR-Token mit einem rechnerischen Wert von rund 450.000 Dollar statt vier SOL im Wert von etwa 400 Dollar. 22 Der Empfänger verkaufte die Token sofort für rund 40.000 Dollar und verlor später den Großteil beim Kauf eines Tokens, der in seinem eigenen Namen aufgelegt worden war. 23 Der Agent schrieb anschließend, er habe noch nie so sehr gelacht. LOBSTAR stieg um 190 Prozent. Der Vorfall zeigt konkret, was bei autonomen Agenten mit unzureichend geschützten Wallets schiefgehen kann.

Coinbase und Kraken werden zu Wertpapierplattformen

Coinbase öffnete den provisionsfreien Handel mit Aktien und ETFs für alle US-Nutzer. Das Angebot umfasst mehr als 8.000 Wertpapiere, Bruchstücke ab einem Dollar und Handel an fünf Tagen rund um die Uhr. 24 Kraken startete die ersten regulierten unbefristeten Terminkontrakte auf tokenisierte US-Aktien und Gold. Sie sind in mehr als 110 Ländern rund um die Uhr mit bis zu 20-fachem Hebel handelbar. 25 Die zugrunde liegenden xStocks-Token erreichten bereits ein Handelsvolumen von mehr als 25 Milliarden Dollar. 26 Damit verschwimmt die Grenze zwischen Kryptobörse und klassischem Broker.

KI-Musik erreicht 750 Millionen Nutzer

Google integrierte Lyria 3 in die Gemini-App und machte KI-Musik damit für mehr als 750 Millionen Nutzer zugänglich. 27 Wenige Tage später übernahm Google ProducerAI, früher Riffusion. Der Dienst läuft nun auf Lyria 3 und erzeugt per Dialog vollständige Musikstücke von drei Minuten Länge. 28 Suno und Udio haben den Markt aufgebaut; Google bringt die Funktion nun kostenlos zu drei Vierteln einer Milliarde Menschen.

Meta prüft erneut Stablecoin-Zahlungen

Meta prüft Stablecoin-Zahlungen für Facebook, Instagram und WhatsApp in der zweiten Jahreshälfte, wahrscheinlich über Stripe. 29 Einen eigenen Coin soll es nicht geben; Meta will bestehende Zahlungswege nutzen. Der Kommunikationschef des Unternehmens erklärte allerdings, ein Meta-Stablecoin sei nicht geplant. 30 Meta versuchte 2019 mit Libra bereits etwas Ähnliches und scheiterte am Widerstand der Aufsichtsbehörden. Heute gibt es ein US-Gesetz für Stablecoins, Stripe hat Bridge übernommen, und Meta erreicht drei Milliarden Nutzer. 31 Bislang handelt es sich dennoch nur um durchgesickerte Planungen, nicht um einen offiziellen Start.

NASA verschiebt die nächste Mondlandung

Artemis III wird nicht mehr auf dem Mond landen. Die Mission wurde zu einem reinen Orbitaltest Mitte 2027 umgeplant. 32 Die eigentliche Landung soll nun mit Artemis IV im Jahr 2028 erfolgen. 33 Ein Heliumleck zwang die NASA diese Woche, die Rakete für Artemis II zurück in die Montagehalle zu bringen. Künftig strebt die Behörde Starts im Abstand von zehn Monaten statt drei Jahren an. 34 Seit 1972 war kein US-Amerikaner mehr auf dem Mond. China plant eine bemannte Landung für 2030.

US-Regierung investiert 144 Millionen Dollar in Altersforschung

Die Forschungsbehörde ARPA-H finanziert sieben Teams, die Medikamente gegen Alterungsprozesse selbst entwickeln sollen, nicht nur gegen altersbedingte Krankheiten. 35 Ein Team prüft drei bereits zugelassene Medikamente darauf, ob sie das biologische Altern gesunder Menschen verlangsamen. Ein anderes untersucht, ob ein älteres HIV-Medikament eine Form von DNA-Schäden unterdrücken kann, die mit dem Alter zunimmt. 36 Insgesamt stehen über fünf Jahre 144 Millionen Dollar bereit. Gemessen an anderen Forschungsprogrammen ist das wenig, doch die US-Regierung behandelt Altern damit erstmals ausdrücklich als beeinflussbaren Prozess. 37

1X bietet einen Haushaltsroboter für 20.000 Dollar an

1X nahm Vorbestellungen für NEO an, einen humanoiden Haushaltsroboter für 20.000 Dollar oder 499 Dollar im Monat. Die ersten Auslieferungen in den USA sollen noch dieses Jahr beginnen. 38 NEO wiegt rund 30 Kilogramm, faltet Wäsche, räumt Regale ein und lernt neue Aufgaben mithilfe menschlicher Fernsteuerung. In einem separaten Vertrag mit EQT sollen bis 2030 bis zu 10.000 Geräte an Fabriken geliefert werden. 39 Damit hat ein humanoider Roboter für Privathaushalte erstmals einen konkreten Preis.

Jane Street gerät unter Druck

Der Insolvenzverwalter von Terraform Labs verklagte Jane Street. Das Handelshaus soll den Terra-Zusammenbruch von 2022 mit Insiderinformationen vorweggenommen haben. 40 Gleichzeitig verbreitete sich die Behauptung, Jane Street verkaufe zum US-Handelsstart Bitcoin, um ETF-Anteile günstiger zurückzukaufen. Rob Hadick von Dragonfly nannte die Theorie unbegründet, Jane Street sprach von einer absurden Verschwörungstheorie. Die Daten stützen den Vorwurf nicht, trotzdem hielt er sich. 41

Vitalik Buterin will Ethereum selbst stärker skalieren

Vitalik Buterin forderte deutlich mehr Kapazität auf Ethereums Basisschicht und erklärte, die bisherige, stark auf Rollups ausgerichtete Strategie sei nicht mehr sinnvoll. 42 Gleichzeitig verkaufte er 17.196 ETH im Wert von rund 35 Millionen Dollar, um Open-Source-Projekte zu finanzieren. Der Verkauf schwächte die Wirkung seiner Wachstumsbotschaft. 43

Samsung integriert Perplexity ins Betriebssystem

Perplexity wird auf den Geräten der Galaxy-S26-Reihe direkt ins Betriebssystem integriert. Damit erhält erstmals ein Anbieter außerhalb von Google einen solchen Zugriff auf Samsung-Smartphones. 44 Für Perplexity ist das ein wichtiger Vertriebsweg und eine Chance, sich auf Android als Alternative zu Google zu etablieren.

QCi übernimmt Luminar, China veröffentlicht ein Quanten-Betriebssystem

QCi schloss die Übernahme von Luminar Semiconductor für 110 Millionen Dollar ab und ergänzt sein Quantengeschäft damit um Laser- und Chipfertigung. 45 Unabhängig davon stellte Origin Quantum mit Pilot OS das erste in China entwickelte Betriebssystem für Quantencomputer öffentlich zum Download bereit. 46 Beide Entwicklungen stehen noch am Anfang, zeigen aber den Ausbau der technischen Grundlagen.

Roter Faden

Im Mittelpunkt dieser Woche stand Macht: wer sie besitzt, wer sich ihr widersetzt und welche Folgen das hat.

Anthropic widersprach der Regierung und verlor daraufhin den Zugang zu Bundesbehörden. Das Militär nutzte Claude trotzdem weiter. Die größte private Finanzierungsrunde der Geschichte bewertete OpenAI trotz geplanter Verluste von 100 Milliarden Dollar mit 840 Milliarden Dollar. Ein fiktiver Text über massenhafte Jobverluste löste einen Börsenrückgang und politische Gegenreaktionen aus. Gleichzeitig investierte die US-Regierung 144 Millionen Dollar in Altersforschung und ein Vielfaches in die militärische Infrastruktur hinter einem tödlichen Angriff.

Daneben wurden weitere Grenzen unschärfer: Ein KI-Agent gab durch einen Fehler Token im Wert von fast einer halben Million Dollar frei, zwei Kryptobörsen boten Aktienhandel an, Google baute Musikerzeugung in Gemini ein, und ein Haushaltsroboter erhielt einen konkreten Verkaufspreis.

Die Anreize liegen damit offen: staatliche Aufträge, Börsenbewertungen und Zugang zu Kapital bestimmen zunehmend, welche Regeln Bestand haben.

Der nächste Log erscheint nächste Woche.

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