1. Seedance 2.0 fordert Hollywood heraus (KI)
ByteDance veröffentlichte Seedance 2.0 und landete sofort einen viralen Treffer. Eine mit KI erzeugte Kampfszene mit Tom Cruise und Brad Pitt erreichte Millionen Aufrufe. In chinesischen sozialen Netzwerken war von einem "zweiten DeepSeek-Moment" die Rede. 1 Der US-Filmverband MPA sprach von massiven Urheberrechtsverletzungen. 2 Disney und Paramount schickten Unterlassungsaufforderungen. 3 ByteDance entwickelt nicht nur das Videomodell, sondern auch die passende Hardware. Das Unternehmen verhandelt mit Samsung über die Fertigung seines SeedChip und plant für 2026 zwischen 100.000 und 350.000 Einheiten. 4 Runway nahm unterdessen 315 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 5,3 Milliarden Dollar auf. Das Unternehmen will über Videogenerierung hinausgehen und an Weltmodellen arbeiten, die physikalische Abläufe simulieren. 5 Damit stehen zwei Ansätze nebeneinander: ByteDance konzentriert sich auf Inhalte, Runway auf simulierte Welten. Beide sind mit Milliarden bewertet. KI-Video wird vom Experiment zum Geschäft.
Warum es wichtig ist
Noch nie hat ein chinesisches KI-Produkt so schnell rechtlichen Widerstand aus Hollywood ausgelöst. Mit einem eigenen Chip könnte ByteDance zudem Modell, Vertrieb und Hardware selbst kontrollieren.
Realitätscheck
Die Videos bleiben kurz, und eigene Chips in großer Stückzahl zu produzieren ist schwierig. Urheberrechtsstreitigkeiten könnten Seedance den Zugang zu westlichen Märkten versperren. Die Technik überzeugt, doch der rechtliche Widerstand wächst.
2. Programmieren ohne selbst zu schreiben (KI)
Spotifys Co-CEO sagte, die besten Entwickler des Unternehmens hätten seit Dezember keine einzige Zeile Code mehr selbst geschrieben. 6 Sie nutzen Honk, ein auf Claude Code aufgebautes System, um neue Funktionen zu erzeugen und auszurollen. Einige veröffentlichen Änderungen unterwegs per Slack vom Smartphone. Gleichzeitig brachte OpenAI Codex Spark auf den Wafer-Chips von Cerebras heraus. Das Modell verarbeitet 1.000 Token pro Sekunde, rund 15-mal mehr als übliche Modelle, und läuft als erstes großes KI-Modell nicht auf Nvidia-Hardware. 7 Auch am Arbeitsmarkt wird der Wandel sichtbar: Baker McKenzie strich mehr als 700 Stellen und verwies dabei auf KI. 8 Innerhalb von 40 Tagen verloren rund 30.000 Beschäftigte der Technologiebranche ihre Stelle. 9 Matt Shumers Essay "Something Big Is Happening" wurde mehr als 100 Millionen Mal aufgerufen. 10
Warum es wichtig ist
Wenn die besten Entwickler eines Unternehmens mit einem Wert von 100 Milliarden Dollar nicht mehr selbst programmieren, verändert sich die Softwareentwicklung grundlegend. Codex Spark zeigt zugleich, dass schnelle KI-Inferenz nicht zwingend Nvidia-Hardware braucht.
Realitätscheck
Spotify sprach von seinen besten Entwicklern, nicht von der gesamten Belegschaft. Codex Spark ist zunächst nur eine Forschungsvorschau. Und Baker McKenzie könnte KI auch als Begründung für normale Kostensenkungen nutzen. Die Entwicklung ist dennoch klar.
3. Die KI-Labore verlieren ihre Sicherheitsleute (KI)
Anthropic nahm 30 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 380 Milliarden Dollar auf. Es war die zweitgrößte private Finanzierungsrunde der Geschichte. 11 Wenige Tage später trat der Leiter von Anthropics Sicherheitsteam zurück und warnte, die Welt sei in Gefahr. 12 OpenAI entließ seine für Produktpolitik zuständige Vizepräsidentin, nachdem sie sich gegen einen geplanten Erwachsenenmodus gestellt hatte. 13 Bei xAI haben inzwischen sechs der zwölf Mitgründer und weitere elf Entwickler das Unternehmen verlassen. 14 SpaceX übernahm xAI bei einer gemeinsamen Bewertung von 1,25 Billionen Dollar. Musk drängte zugleich darauf, Grok noch ungezügelter auftreten zu lassen. 15 SpaceX legte der US-Aufsicht FCC Pläne für Rechenzentren im Orbit vor, die pro Jahr eine Leistung von einem Terawatt erreichen sollen. 16 In Tests vor der Veröffentlichung half Claude 4.6 zudem bei der Synthese chemischer Waffen. Anthropic entdeckte und blockierte das Verhalten noch vor dem Start. 17
Warum es wichtig ist
Ausgerechnet während die größten KI-Unternehmen Rekordsummen aufnehmen, gehen wichtige Mitarbeiter ihrer Sicherheitsteams oder werden entlassen. Die technischen Fähigkeiten wachsen derzeit schneller als die interne Kontrolle.
Realitätscheck
Abgänge aus Sicherheitsteams können auch auf interne Konflikte zurückgehen und sind kein Beleg für eine unmittelbare Gefahr. Rechenzentren im All liegen noch Jahre entfernt. Beim Chemiewaffentest griff die Kontrolle rechtzeitig. Trotzdem fällt auf, dass die Sicherheitsteams schrumpfen, während die Modelle leistungsfähiger werden.
4. Der Wettlauf um humanoide Roboter beschleunigt sich (Robotik)
Apptronik erhöhte die Finanzierung für seinen Roboter Apollo auf insgesamt 935 Millionen Dollar und wurde mit 5 Milliarden Dollar bewertet. 18 MirrorMe stellte Bolt vor. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von rund 35 Kilometern pro Stunde ist er der bislang schnellste humanoide Roboter. 19 Tesla baut Teile seines Werks in Fremont für die Produktion von Optimus Gen 3 um und beendet dort die Fertigung von Model S und Model X. 20 Morgan Stanley erwartet, dass in China bis zum Jahresende 28.000 humanoide Roboter im Einsatz sein werden. 21 Alibaba veröffentlichte außerdem RynnBrain als Open Source. Das Modell soll Robotern allgemeines räumliches Denken ermöglichen. Während US-Unternehmen vor allem an der Hardware arbeiten, stellt China Teile der Steuerungssoftware offen bereit.
Warum es wichtig ist
Dass Tesla zwei Automodelle auslaufen lässt und Produktionsfläche für Roboter reserviert, zeigt den Stellenwert von Optimus im Konzern. Alibabas offenes Steuerungsmodell könnte zugleich vielen Herstellern den Einstieg erleichtern, ähnlich wie Android bei Smartphones.
Realitätscheck
Die Robotikbranche verspricht seit Jahren den baldigen Masseneinsatz. Bolts Geschwindigkeit stammt aus einer Vorführung und sagt wenig über den Fabrikalltag aus. Auch Tesla hat Termine wiederholt verschoben. Neu ist vor allem die Höhe des eingesetzten Kapitals.
5. Erste Studie zur Verjüngung menschlicher Zellen (Langlebigkeit)
Life Biosciences erhielt von der FDA die Genehmigung für die erste klinische Studie mit ER-100 am Menschen. Die Gentherapie soll alte Zellen verjüngen, ohne unkontrolliertes Zellwachstum auszulösen. 22 Unabhängig davon identifizierten Forscher DMTF1 als ein wichtiges Gen für die Geschwindigkeit der Zellalterung. 23 Eine Studie der EPFL zeigte außerdem, dass eine partielle Reprogrammierung von Gedächtniszellen mit OSK-Faktoren die Erinnerungsleistung alter Mäuse verbessern konnte. Dahinter steckt derselbe technologische Ansatz wie bei ER-100, diesmal gezielt im Gehirn.
Warum es wichtig ist
Erstmals hat eine Behörde eine Studie genehmigt, deren erklärtes Ziel die Umkehr biologischer Alterungsprozesse beim Menschen ist. Zeigt ER-100 eine Wirkung, würde die Langlebigkeitsforschung näher an die klinische Medizin rücken.
Realitätscheck
In Phase 1 geht es zunächst um Sicherheit, nicht um Wirksamkeit. Viele Gentherapien scheitern, und Ergebnisse aus Mäusen lassen sich nur begrenzt auf Menschen übertragen. Die Genehmigung zeigt dennoch, dass der Ansatz die Schwelle zur klinischen Prüfung erreicht hat.