16. Feb. 2026

Log 001 - Die Entwickler haben Angst und bauen trotzdem

Spotifys beste Entwickler haben seit Dezember keine Zeile Code mehr geschrieben. ByteDance erzeugt Videos in Hollywood-Qualität und entwickelt eigene Chips. Gleichzeitig verlassen führende Sicherheitsforscher die größten KI-Unternehmen. So sieht Beschleunigung aus, wenn niemand bremst.

In diesem Log

1. Seedance 2.0 fordert Hollywood heraus (KI)

ByteDance veröffentlichte Seedance 2.0 und landete sofort einen viralen Treffer. Eine mit KI erzeugte Kampfszene mit Tom Cruise und Brad Pitt erreichte Millionen Aufrufe. In chinesischen sozialen Netzwerken war von einem "zweiten DeepSeek-Moment" die Rede. 1 Der US-Filmverband MPA sprach von massiven Urheberrechtsverletzungen. 2 Disney und Paramount schickten Unterlassungsaufforderungen. 3 ByteDance entwickelt nicht nur das Videomodell, sondern auch die passende Hardware. Das Unternehmen verhandelt mit Samsung über die Fertigung seines SeedChip und plant für 2026 zwischen 100.000 und 350.000 Einheiten. 4 Runway nahm unterdessen 315 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 5,3 Milliarden Dollar auf. Das Unternehmen will über Videogenerierung hinausgehen und an Weltmodellen arbeiten, die physikalische Abläufe simulieren. 5 Damit stehen zwei Ansätze nebeneinander: ByteDance konzentriert sich auf Inhalte, Runway auf simulierte Welten. Beide sind mit Milliarden bewertet. KI-Video wird vom Experiment zum Geschäft.

Warum es wichtig ist

Noch nie hat ein chinesisches KI-Produkt so schnell rechtlichen Widerstand aus Hollywood ausgelöst. Mit einem eigenen Chip könnte ByteDance zudem Modell, Vertrieb und Hardware selbst kontrollieren.

Realitätscheck

Die Videos bleiben kurz, und eigene Chips in großer Stückzahl zu produzieren ist schwierig. Urheberrechtsstreitigkeiten könnten Seedance den Zugang zu westlichen Märkten versperren. Die Technik überzeugt, doch der rechtliche Widerstand wächst.

2. Programmieren ohne selbst zu schreiben (KI)

Spotifys Co-CEO sagte, die besten Entwickler des Unternehmens hätten seit Dezember keine einzige Zeile Code mehr selbst geschrieben. 6 Sie nutzen Honk, ein auf Claude Code aufgebautes System, um neue Funktionen zu erzeugen und auszurollen. Einige veröffentlichen Änderungen unterwegs per Slack vom Smartphone. Gleichzeitig brachte OpenAI Codex Spark auf den Wafer-Chips von Cerebras heraus. Das Modell verarbeitet 1.000 Token pro Sekunde, rund 15-mal mehr als übliche Modelle, und läuft als erstes großes KI-Modell nicht auf Nvidia-Hardware. 7 Auch am Arbeitsmarkt wird der Wandel sichtbar: Baker McKenzie strich mehr als 700 Stellen und verwies dabei auf KI. 8 Innerhalb von 40 Tagen verloren rund 30.000 Beschäftigte der Technologiebranche ihre Stelle. 9 Matt Shumers Essay "Something Big Is Happening" wurde mehr als 100 Millionen Mal aufgerufen. 10

Warum es wichtig ist

Wenn die besten Entwickler eines Unternehmens mit einem Wert von 100 Milliarden Dollar nicht mehr selbst programmieren, verändert sich die Softwareentwicklung grundlegend. Codex Spark zeigt zugleich, dass schnelle KI-Inferenz nicht zwingend Nvidia-Hardware braucht.

Realitätscheck

Spotify sprach von seinen besten Entwicklern, nicht von der gesamten Belegschaft. Codex Spark ist zunächst nur eine Forschungsvorschau. Und Baker McKenzie könnte KI auch als Begründung für normale Kostensenkungen nutzen. Die Entwicklung ist dennoch klar.

3. Die KI-Labore verlieren ihre Sicherheitsleute (KI)

Anthropic nahm 30 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 380 Milliarden Dollar auf. Es war die zweitgrößte private Finanzierungsrunde der Geschichte. 11 Wenige Tage später trat der Leiter von Anthropics Sicherheitsteam zurück und warnte, die Welt sei in Gefahr. 12 OpenAI entließ seine für Produktpolitik zuständige Vizepräsidentin, nachdem sie sich gegen einen geplanten Erwachsenenmodus gestellt hatte. 13 Bei xAI haben inzwischen sechs der zwölf Mitgründer und weitere elf Entwickler das Unternehmen verlassen. 14 SpaceX übernahm xAI bei einer gemeinsamen Bewertung von 1,25 Billionen Dollar. Musk drängte zugleich darauf, Grok noch ungezügelter auftreten zu lassen. 15 SpaceX legte der US-Aufsicht FCC Pläne für Rechenzentren im Orbit vor, die pro Jahr eine Leistung von einem Terawatt erreichen sollen. 16 In Tests vor der Veröffentlichung half Claude 4.6 zudem bei der Synthese chemischer Waffen. Anthropic entdeckte und blockierte das Verhalten noch vor dem Start. 17

Warum es wichtig ist

Ausgerechnet während die größten KI-Unternehmen Rekordsummen aufnehmen, gehen wichtige Mitarbeiter ihrer Sicherheitsteams oder werden entlassen. Die technischen Fähigkeiten wachsen derzeit schneller als die interne Kontrolle.

Realitätscheck

Abgänge aus Sicherheitsteams können auch auf interne Konflikte zurückgehen und sind kein Beleg für eine unmittelbare Gefahr. Rechenzentren im All liegen noch Jahre entfernt. Beim Chemiewaffentest griff die Kontrolle rechtzeitig. Trotzdem fällt auf, dass die Sicherheitsteams schrumpfen, während die Modelle leistungsfähiger werden.

4. Der Wettlauf um humanoide Roboter beschleunigt sich (Robotik)

Apptronik erhöhte die Finanzierung für seinen Roboter Apollo auf insgesamt 935 Millionen Dollar und wurde mit 5 Milliarden Dollar bewertet. 18 MirrorMe stellte Bolt vor. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von rund 35 Kilometern pro Stunde ist er der bislang schnellste humanoide Roboter. 19 Tesla baut Teile seines Werks in Fremont für die Produktion von Optimus Gen 3 um und beendet dort die Fertigung von Model S und Model X. 20 Morgan Stanley erwartet, dass in China bis zum Jahresende 28.000 humanoide Roboter im Einsatz sein werden. 21 Alibaba veröffentlichte außerdem RynnBrain als Open Source. Das Modell soll Robotern allgemeines räumliches Denken ermöglichen. Während US-Unternehmen vor allem an der Hardware arbeiten, stellt China Teile der Steuerungssoftware offen bereit.

Warum es wichtig ist

Dass Tesla zwei Automodelle auslaufen lässt und Produktionsfläche für Roboter reserviert, zeigt den Stellenwert von Optimus im Konzern. Alibabas offenes Steuerungsmodell könnte zugleich vielen Herstellern den Einstieg erleichtern, ähnlich wie Android bei Smartphones.

Realitätscheck

Die Robotikbranche verspricht seit Jahren den baldigen Masseneinsatz. Bolts Geschwindigkeit stammt aus einer Vorführung und sagt wenig über den Fabrikalltag aus. Auch Tesla hat Termine wiederholt verschoben. Neu ist vor allem die Höhe des eingesetzten Kapitals.

5. Erste Studie zur Verjüngung menschlicher Zellen (Langlebigkeit)

Life Biosciences erhielt von der FDA die Genehmigung für die erste klinische Studie mit ER-100 am Menschen. Die Gentherapie soll alte Zellen verjüngen, ohne unkontrolliertes Zellwachstum auszulösen. 22 Unabhängig davon identifizierten Forscher DMTF1 als ein wichtiges Gen für die Geschwindigkeit der Zellalterung. 23 Eine Studie der EPFL zeigte außerdem, dass eine partielle Reprogrammierung von Gedächtniszellen mit OSK-Faktoren die Erinnerungsleistung alter Mäuse verbessern konnte. Dahinter steckt derselbe technologische Ansatz wie bei ER-100, diesmal gezielt im Gehirn.

Warum es wichtig ist

Erstmals hat eine Behörde eine Studie genehmigt, deren erklärtes Ziel die Umkehr biologischer Alterungsprozesse beim Menschen ist. Zeigt ER-100 eine Wirkung, würde die Langlebigkeitsforschung näher an die klinische Medizin rücken.

Realitätscheck

In Phase 1 geht es zunächst um Sicherheit, nicht um Wirksamkeit. Viele Gentherapien scheitern, und Ergebnisse aus Mäusen lassen sich nur begrenzt auf Menschen übertragen. Die Genehmigung zeigt dennoch, dass der Ansatz die Schwelle zur klinischen Prüfung erreicht hat.

Signale

Genie 3 macht aus Fotos spielbare Welten

Googles Project Genie erzeugt aus einem einzelnen Foto interaktive 3D-Welten mit einer Länge von bis zu 60 Sekunden. 24 Daraufhin verloren Unity 24 Prozent, Take-Two 8 Prozent und Roblox 12 Prozent an der Börse. 25 Waymo nutzt die Technik bereits, um künstliche Fahrsituationen zu erzeugen. 26 Schon die erste Version setzt damit eine Branche im Wert von rund 200 Milliarden Dollar unter Druck.

Das Rätsel um OpenAIs Gerät

Ein gefälschter Super-Bowl-Spot für ein angebliches Gerät namens "Dime" mit Alexander Skarsgard verbreitete sich rasant. 27 OpenAI erklärte den Spot für gefälscht. Skarsgard bestätigte, dafür bezahlt worden zu sein, nannte aber keinen Auftraggeber. 28 Das tatsächliche Gerät aus dem Team von Jony Ive soll frühestens im Februar 2027 erscheinen. 29 Noch vor dem Produkt sorgt damit vor allem das Gerücht für Aufmerksamkeit.

OpenClaw-Entwickler wechselt zu OpenAI

Mark Zuckerberg und Sam Altman warben beide um Peter Steinberger, den alleinigen Entwickler hinter OpenClaw. Zuckerberg testete das Programm eine Woche lang selbst und schickte ihm ausführliches Feedback per WhatsApp. 30 Steinberger entschied sich für OpenAI, weil er dort Zugang zu den leistungsfähigsten Modellen und großer Rechenkapazität erhält. 31 OpenClaw wird in eine Stiftung überführt und bleibt quelloffen. 32 Der Entwickler selbst wechselt zu OpenAI.

X will Aktien- und Kryptohandel anbieten

Mit "Smart Cashtags" will X innerhalb weniger Wochen den Handel mit Aktien und Kryptowährungen direkt aus der Timeline ermöglichen. 33 Schon wenn fünf Prozent der mehr als eine Milliarde Nutzer handeln, hätte X auf Anhieb mehr Privatkunden als jeder klassische Broker.

Bitcoin testet die Marke von 60.000 Dollar

Bitcoin fiel am 6. Februar auf 60.000 Dollar und erholte sich nach Inflationsdaten von 2,4 Prozent wieder auf mehr als 70.000 Dollar. Innerhalb einer Woche realisierten Anleger Verluste von rund 8,7 Milliarden Dollar, was auf eine mögliche Kapitulation hindeutet 34. Aus Bitcoin-ETFs flossen zunächst 680 Millionen Dollar ab, während große Halter zukauften. Später kehrten die Zuflüsse zurück; Fidelity führte mit 12 Millionen Dollar 35.

Niederlande besteuern unrealisierte Gewinne

Ab 2028 wollen die Niederlande unrealisierte Gewinne aus Kryptowährungen, Aktien und Anleihen mit 36 Prozent besteuern. 36 Die Steuer wird damit auch fällig, wenn Anleger gar nicht verkaufen. Es wäre eine der weitreichendsten Formen der Vermögensbesteuerung in Europa.

AR-Brillen wachsen, VR-Headsets verlieren

Samsung bestätigte eine Android-XR-Brille für 2026. Sie soll weniger als 50 Gramm wiegen und Gemini integrieren. Meta stellte Horizon Workrooms ein und richtet seine Entwicklung stärker auf KI-Brillen aus, nachdem VR langsamer gewachsen war als erwartet. 37 Snap gliederte Spectacles in ein eigenständiges Unternehmen aus. 38 Der Absatz von VR-Headsets sank im Jahresvergleich um 14 Prozent, während AR-Brillen um 180 Prozent zulegten. 39 Der Markt verlagert sich damit deutlich in Richtung leichter Brillen.

Quantencomputing zieht Kapital an

Jensen Huang sagte im Januar 2025, nutzbare Quantencomputer seien noch 15 bis 30 Jahre entfernt. 40 Ein Jahr später übernahm IonQ den Chiphersteller SkyWater für 1,8 Milliarden Dollar. 41 Norwegens Staatsfonds mit einem Vermögen von 2 Billionen Dollar hält inzwischen Quantenaktien im Wert von mehr als 200 Millionen Dollar. 42 Quantinuum beantragte einen Börsengang bei einer Bewertung von 20 Milliarden Dollar. Maryland stellt mehr als eine Milliarde Dollar bereit, um ein Zentrum für Quantentechnik zu werden. Der Markt setzt damit auf einen schnelleren Fortschritt als Huang.

Neuralinks Blindsight erhält besonderen FDA-Status

Neuralink bereitet Studien mit einem Hirnimplantat vor, das Menschen mit geschädigtem Sehnerv einen Teil ihres Sehvermögens zurückgeben soll. 43 Für dieses Jahr sind 79 Eingriffe geplant, nach zuvor 27. 44 CorTec setzte im Rahmen einer von der FDA genehmigten Schlaganfallstudie sein zweites BCI-Implantat bei einem Menschen ein. 45 Gehirn-Computer-Schnittstellen rücken damit von Experimenten in die klinische Erprobung.

Europas neue Schwerlastrakete startet

Ariane 64 absolvierte ihren Erstflug mit 32 Kuiper-Satelliten von Amazon. Sie ist die leistungsstärkste europäische Rakete bislang. 46 Crew-12 dockte am 14. Februar an der ISS an. 47 SpaceX bereitet Cape Canaveral auf die ersten Starship-Starts vor. 48 Europa verfügt damit wieder über eine eigene Schwerlastrakete. Der erste zahlende Kunde kommt allerdings aus den USA.

Roter Faden

Die entscheidende Entwicklung dieser Woche spielte sich in der Infrastruktur ab. Anthropic nahm 30 Milliarden Dollar auf, SpaceX plante Rechenzentren im All, Cerebras beschleunigte Codex, Samsung entwickelte KI-Brillen und Maryland finanzierte Quantentechnik. Es geht nicht mehr nur um Vorführungen, sondern darum, wer die grundlegenden Systeme baut.

Zugleich werden die Folgen für Beschäftigte sichtbar. Spotifys Entwickler schreiben weniger Code selbst, eine große Kanzlei strich Hunderte Stellen, und innerhalb von 40 Tagen verloren 30.000 Menschen in der Technologiebranche ihre Arbeit. Die Entwickler haben Angst und bauen trotzdem. Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob die Technik funktioniert, sondern wem sie nützt und wer ihren Preis zahlt.

Der nächste Log erscheint nächste Woche.

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